Wie Omi für ihr Album wirbt

Wencke Myhre hat nach 15 Jahren Pause ein neues Album: „Eingeliebt - Ausgeliebt“

Hallo! Jetzt geht Omi auf Promotion-Reise. - Mit diesen Worten hatte sich Wencke Myhre von ihrem wenige Tage zuvor geborenen Enkelsohn in Norwegen verabschiedet.

In Deutschland stellt sie gerade ihr neues Album mit dem Titel „Eingeliebt - Ausgeliebt“ vor - auch im Kasseler HR4-Studio, wo sie nach der Sendung mit uns sprach. Locker und in bester Laune präsentierte sich die 63-Jährige, jetzt neunfache Oma, und dazu hat sie allen Grund. Nach 15 Jahren Pause hat sie wieder ein Album auf dem Markt, und dazu noch eins, mit dem sie selbst sehr glücklich ist - weil es ihr auf den Leib geschrieben wurde.

Anders Eljas (57), ihr Lebenspartner, ist dafür genau der Richtige: Der Pianist, Komponist und Arrangeur hatte zuletzt die Musik für Wencke Myhres Norwegen-Tour mit großem Sinfonieorchester eingerichtet: Hits in Sinfonie. „Wir ergänzen uns sehr schön“, sagt Wencke Myhre.

Mit ihm, dem Arrangeur Christoph Leis-Bendroff und dem Texter Rudolf Müssig hat Wencke Myhre immer wieder Neues ausprobiert. „Das ging vier Jahre lang“, sagt Wencke Myhre, „und eines Tages stellten wir fest: Hey, das ist Material für ein ganzes Album.“

Wer bei Wencke Myhre noch an die schlichten Schlager denkt, mit denen sie in den 60ern und 70ern in Deutschland groß herauskam - „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“, „Er steht im Tor“ oder „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ - der hat ihre Entwicklung nicht mitbekommen.

Auf ihrem Album „Eingeliebt - Ausgeliebt“ präsentiert sie sich abwechselnd als frische Rocklady („Ein bisschen mehr Ich“), mit jazzigen Anklängen („Ein Schuss zuviel“), singt Schlager mit Breitwandklang („Dein Herz mein Herz“), sanfte Balladen („Papa lass mich los“), und chansonartige Titel („Es gibt sie noch, die guten Sachen“). Während in Fernsehserien zurzeit Frauen um die 50 ihre Wechseljahr-Probleme bespiegeln, lässt Wencke Myhre ihre zehn Jahre jüngeren Geschlechtsgenossinnen dagegen alt aussehen. Mit ihr geht es bergauf, nicht bergab: „Meine Stimme ist mit der Zeit immer besser geworden. Sie fühlt sich besser an, der Umfang ist größer geworden, und so kann ich ein anderes Repertoire angehen“. Mit 40 hatte sie erstmals Gesangsunterricht - und Erfolg damit: „Ich habe mehr Höhe bekommen und kann mit der Stimme anders umgehen.“

Wencke Myhres Selbstbewusstsein ist das einer Frau, die vorlebt, dass Omi auch mit 63 keineswegs vom alten Eisen ist - ohne dass sie das irgendwem beweisen müsste.

Ihr Texte drehen sich um die Liebe - aber nicht um die Romantik der 20-Jährigen, sondern die Erfahrungen mit langen Partnerschaften - die im Titelsong „Eingeliebt - ausgeliebt“ auch dann nicht bitter werden, wenn’s einmal zu Ende geht: „Hab ihn missioniert, kultiviert, als Mann perfektioniert“ ... „du hast das Spiel gewonnen, hast ihn genommen, von mir bekommen, perfekt wie er jetzt ist“.

Natürlich ist auch die heile Welt des Schlagers vertreten, etwas schnulzig, aber entspannt: „Diese Welt ist so schön.“ Da ist dann „der Himmel so blau“, und es finden sich „weit und breit keine Sorgen“.

Kein Zweifel, Wencke Myhre hat sich weiterentwickelt, aber sie distanziert sich nicht von ihrer Schlager-Vergangenheit. Ihre neuen Lieder möchte sie als nächstes gern live in Clubs singen - und dann, so sagt sie es beim Besuch in Nordhessen, will sie auf jeden Fall auch nach Kassel kommen.

Von Werner Fritsch

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