Bernhard Schüler im Interview

„Ein Wendepunkt“ - das neue Album der Kasseler Jazzband Triosence

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International gefeiert als „Meilenstein in Sachen Jazztrio“: Pianist Bernhard Schüler (von links), Bassist Matthias Nowak und Schlagzeuger Stephan Emig. Die Zeichnungen hat Schülers Onkel Rainer Hoffmann bei den Aufnahmen in Oslo angefertigt.

Triosence sind Kassels erfolgreichster Jazz-Export. Am Freitag erscheint das fünfte Album von Pianist Bernhard Schüler, Schlagzeuger Stephan Emig und Bassist Matthias Nowak.

Aufgenommen hat das Trio „Turning Points“ im legendären Osloer Rainbow-Studio, wo sonst die Stars des renommierten Münchner ECM-Labels am Klang feilen.

Ihren lyrischen Piano-Jazz haben Triosence diesmal etwas düsterer gestaltet. Es gibt auch eine Interpretation von Kurt Weills „Speak Low“ sowie einen taiwanesischen Folksong, den die Band vor eineinhalb Jahren auf einer umjubelten Asienreise einstudiert hat. Wir sprachen mit Schüler vor dem Auftritt des Trios in Lohfelden bei Kassel ( Samstag, 19.30 Uhr, Bürgerhaus Lohfelden, Lange Straße 22. Karten: 0561/513986).

Herr Schüler, Sie haben gesagt, die neuen Lieder „haben immer noch sehr komplizierte Teile, klingen aber nicht mehr so kompliziert“. Wie schwierig ist es, kompliziert zu spielen und doch einfach zu klingen?

Bernhard Schüler: Das ist mit viel Arbeit verbunden. Meine Stücke und vor allem die Melodien entstehen immer intuitiv und sind nie konstruiert. Aber bei den Arrangements macht man sich viele Gedanken. Man muss Ideen und musikalische Raffinessen so verpacken, dass es natürlich klingt. Das ist die größte Herausforderung.

Das Album ist sehr abwechslungsreich, einige Stücke klingen düsterer, als man es von Triosence gewohnt ist.

Schüler: Das war unser Konzept. Mich hat es immer gewurmt, dass einige unseren Stil für süßlich leichte Jazzmucke und Wohlfühl-Jazz halten. Das muss nicht negativ gemeint sein, aber wenn man sich so viel Mühe gibt, wurmt es einen, weil wir eben keine flache Unterhaltung machen. Daher wollten wir das Album etwas düsterer gestalten und so den Facettenreichtum der Musik noch mehr betonen.

Ist „Turning Points“ deshalb ein Wendepunkt für die Band, wie der Titel erahnen lässt?

Schüler: Für die Band auch, aber vor allem für mich. Vor Kurzem bin ich nach Bremen gezogen, nachdem ich 13 Jahre in Köln gelebt hatte. Ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Dann habe ich mich von meiner Freundin getrennt, worum es in dem Song „No One’s Fault“ geht. Die Idee des Wendepunkts sieht man auch auf dem CD-Cover. Das Foto zeigt eine dunkle Gewitterwand in Arizona, die ich während eines USA-Urlaubs vom Auto aus fotografiert habe. Der „Turning Point“ führt rechts ab und am Unwetter vorbei.

Das schöne Bild findet sich auch in der App, die Sie für iPad und iPhone programmiert haben und die man sich kostenlos im iTunes-Store runterladen kann.

Schüler: Als die CD fast fertig war, hatten wir so viel Bonusmaterial. Es wäre schade gewesen, das alles in der Schublade zu lassen. Also haben wir uns die App ausgedacht mit Ausschnitten aus allen Songs, Interviews, einer Doku über die Aufnahmen und einem digitalen Songbook mit allen Noten. Dazu kommen Zeichnungen, die mein Onkel Rainer Hoffmann angefertigt hat. Er stammt aus Kassel, lebt als Maler in Schweden und hat uns im Studio in Oslo besucht.

Ein Video zu „No One’s Fault“ und ein gedrucktes Songbook gibt es ebenfalls. Ist „Turning Points“ kommerziell gesehen die größte Veröffentlichung in der Geschichte von Triosence?

Schüler: Ja, das gesamte Projekt hat knapp 50.000 Euro gekostet. Weil ich mir von der Plattenfirma künstlerisch nicht reinreden lassen will, muss ich das erstmal vorfinanzieren. Das geht mit Sponsoring und wenn man sich ein bisschen was leiht.

Das klingt riskant.

Schüler: Ich mache Musik nicht, um damit Geld zu verdienen. Natürlich ist es schön, wenn die eigene Arbeit irgendwie honoriert wird. Ich mache das aber alles wegen der Sache selbst. Wenn man sich ständig fragt, wie das Geld jemals wieder reinkommen soll, wird man ja wahnsinnig.

Sie sind jetzt nach Bremen umgezogen. Die anderen Musiker leben in Hannover und Köln. Wo schlägt das Herz der Band?

Schüler: Schon noch in Kassel. In der Seele bleiben wir eine Kasseler Band.

Ist der Auftritt in Lohfelden, wo Sie aufgewachsen sind, darum etwas Besonderes?

Schüler: Total. Lohfelden ist meine eigentliche Heimat. Ich weiß noch, wie ich als Siebenjähriger das erste Klavierkonzert meiner älteren Schwester im Bürgerhaus miterlebt habe. Ich habe gedacht: „Boa, hier will ich auch mal spielen.“ 25 Jahre später klappt es endlich.

Zur Person: Bernhard Schüler

Geboren: am 19. September 1979 in Kassel

Musikalische Anfänge: lernte mit sechs Klavier und später Saxofon, das er im Landesjugendjazzorchester spielte

Ausbildung: Abitur an der Kasseler Jacob-Grimm-Schule, Studium an der Musikhochschule Köln

Beruf: Musiker, gibt nebenbei Unterricht

Privates: Single, lebt in Bremen

Album-Info: Triosence: Turning Points (Sony). Wertung: 4 von 5 Sternen 

Ofizielle Webseite: www.triosence.com

Facebook-Fanseite: www.facebook.com/triosence

Glückstelefon: CDs gewinnen

Wir verlosen drei CDs des neuen Triosence-Albums. Dazu müssen Sie am Freitag unser Glückstelefon unter 01379/013350 anrufen und das Stichwort „Triosence“ sagen. Der Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 50 Cent, die Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen.

Von Matthias Lohr

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