Weniger Beats sind mehr: Das Debüt von Parra for Cuva aus Northeim

Mit einer Elektroversion von Chris Isaaks 25 Jahre altem Hit „Wicked Game“ wurde Nicolas Demuth alias Parra for Cuva bekannt. Sein Demütalbum überrascht nun mit athmosphärischem Downbeat.

Wenn man das am Freitag erscheinende Debütalbum von Parra for Cuva hört, ahnt man, dass die Globalisierung aus der Pop-Welt ein Dorf gemacht hat. Parra for Cuva heißt eigentlich Nicolas Demuth und stammt aus Northeim. Mittlerweile lebt der 23-Jährige in Berlin. Als DJ legt er in ganz Europa auf. Auf dem Album „Majouré“ hört man nun unter anderem den Rapper Nieve und die Electro-Soul-Sängerin Casey K., die in Los Angeles leben, sowie den Inder Monsoonsiren, den Demuth über einen Australier kennengelernt hat.

Über Facebook tauschten sich die Musiker aus. Parra for Cuva schickte ein Klavierloop nach Indien, bekam zwölf Stunden später die Vocals zurück und baute in seiner WG in Charlottenburg den Track „Champa“ zusammen. Nicht nur dieser Song könnte nun die Welt erobern. „Majouré“ ist ein sehr schönes Downtempo-Album geworden mit sphärischen Keyboard-Melodien, HipHop-Beats, Samples von Alltagsgeräuschen, die Demuth mit einem Rekorder aufnimmt, wenn er auf dem Weg zur Uni ist, und tollen Gastsängern, die er über Freunde und das Internet gefunden hat.

International ist der junge Mann aus Südniedersachsen schon länger erfolgreich. 2013 landete er mit seiner Elektro-Version von Chris Isaaks 25 Jahre altem Hit „Wicked Game“ einen Überraschungserfolg. Damals war noch die Stimme von Annika Klose zu hören, mit der Demuth zuvor das Northeimer Singer/Songwriter-Duo Nian gebildet hatte. In den Niederlanden kletterte ihr „Wicked Game“ bis auf Rang fünf der Charts.

Manche Journalisten nannten den Stil von Parra for Cuva „Kuschelhouse“ und verglichen ihn mit anderen Berliner Acts wie Alle Farben, dessen Hits im Formatradio hoch und runter laufen. Demuth möchte den Vergleich lieber nicht hören, weil er „keinen krassen Kommerzkram“ macht, wie er sagt.

Große Erfolge in Frankreich 

Tatsächlich ist „Majouré“ eine Weiterentwicklung und auch ein Schritt „zurück zu den Roots“. Mit dem Klavier begann Demuth als Elfjähriger, später liebte er vor allem „atmosphärische Stücke wie den Debussy-Kram“. Der Waldorfschüler erhielt Unterricht in Jazz-Improvisation und machte dann Techno. Nun wird seine Musik wieder ruhiger.

In Berlin studiert er Audiodesign. Zudem hat er für „Majouré“, dessen Titel er sich wegen des Klangs ausgedacht hat, mit Freunden seine eigene Plattenfirma Lenient Tales Recordings gegründet. Bei Live-Konzerten tritt er mit Sängerin und Gitarrist auf, der Dutzende Effektgeräte benutzt. Auch Demuth verfremdet seine Synthesizer-Klänge, so dass selbst die langsamen Stücke im Club funktionieren.

Demnächst soll es nach Indien, Australien und Frankreich gehen, wo Parra for Cuva besonders populär ist, weil seine ersten Songs bei einem Pariser Label erschienen. „Von der Anzahl der Fans steht Deutschland nur an vierter Stelle“, sagt Demuth. Die Pop-Welt ist tatsächlich ein Dorf geworden.

Parra for Cuva:  Majouré (Lenient Tales Recordings).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Person

Name: Nicolas Demuth

Künstlername: Parra for Cuva („Ich wollte was Sinnloses, was schön klingt“)

Alter: 23

Aufgewachsen: in Northeim

Ausbildung: Abitur an der Göttinger Waldorfschule, studiert derzeit Audiodesign in Berlin

Durchbruch als Musiker: 2013 mit einer House-Version von Chris Isaaks 25 Jahre altem Hit „Wicked Game“. Sein Debütalbum „Majouré“ klingt nach chilligem Downbeat.

Privates: Lebt in einer WG in Berlin-Charlottenburg

Von Matthias Lohr

Der Künstler im Interview:

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