Pianist Michael Schalamov mit einem Mammut-Programm in Sandershausen

Weniger ist manchmal mehr

NIESTETAL. Beim jüngsten Klavierabend im evangelischen Gemeindehaus Niestetal-Sandershausen konnte einem das geflügelte Wort „Weniger ist mehr“ einfallen. Und zwar in einem kritischen Sinn. Denn der an der Musikhochschule Hannover lehrende Pianist Michael Schalamov (39) servierte dort den 50 Zuhörern eine Stückauswahl, die es wahrlich in sich hatte. Gewaltig viele Noten standen auf dem Programm.

Auf eine Mozart-Sonate folgte - sehr anspruchsvoll - Beethovens Waldstein-Sonate op. 53. Nicht etwa, dass man danach in die Pause gehen durfte. Zuvor schüttelte der Pianist noch Chopins Ballade As-Dur op. 47 aus dem Ärmel. Teil zwei ging mit Robert Schumanns (wunderbar „verrücktem“) „Faschingsschwank aus Wien“ und Chopins „Grande Polonaise brillante précédé d’un Andante spianato“ weiter, bevor eine zugegebene Scarlatti-Sonate äußerst rasant um die Kurve kam.

Bei alledem ließ Schalamov etliche Stärken erkennen, etwa ein exzellentes Rhythmusgefühl und einen virtuosen Elan. Völlig unfallfrei, wie gleich bei Mozarts technisch vergleichsweise recht leichter Sonate zu bemerken, lief der Abend aber nicht ab.

Schade ist es, wenn gute Pianisten wie Michael Schalamov überladene, auf Brillanz und Wirkung getrimmte Programme auswählen. Weniger Stücke, dafür vollkommen konzentriert und vielgestaltig gespielt, würden doch besser gefallen.

Von Georg Pepl

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