Kabarettist Claus von Wagner erklärt die Probleme der Finanzwelt am Beispiel von Flugzeugen und Tieren

Wenn Äffchen die Welt regieren

Kabarett mit Whiskey, Wasser und Telefon: Claus von Wagner als Sohn eines Wirtschaftsprüfers. Witzig, tiefsinnig und mit einer guten Rahmenhandlung. Foto:  Fischer

Wenn Politiker den Menschen die Welt nicht mehr erklären können, dann müssen die Kabarettisten ran. Mit diesem Anspruch scheint Claus von Wagner sein Programm „Die Theorie der feinen Menschen“ gestaltet zu haben. Am Freitag trat er im Anthroposophischen Zentrum in Kassel auf.

Der Kabarettist kratzt dabei nicht an der Oberfläche der Finanzwelt, sondern generiert seinen Humor direkt aus dem Fachchinesisch der Derivate, Kurswetten und Boni. Als er aus Fachtexten zitiert, versichert er sich deswegen immer wieder der Aufmerksamkeit seines Publikums in dem voll besetzten Saal. „Sind Sie noch bei mir?“, ruft er nach einem Satz mit fünf unverständlichen Begriffen.

Aber das ist eigentlich unnötig, denn tatsächlich hört man dem gebürtigen Münchner gern zu. Denn von Wagner verpackt seine Erläuterungen in so schöne, verständliche Metaphern, dass es leicht fällt, die komplexen Themen zu verstehen. Bei von Wagner wird der Banker zum Kapuzineräffchen und der einfache Bürger zum Plankton im Meer der Finanzhaie.

Den Verlauf der Finanzkrise erklärt von Wagner so: Die Welt ist ein intaktes Flugzeug. Während das sonore Brummen der Triebwerke die Passagiere beruhigt, stören aber panische Rufe aus dem Cockpit die Harmonie. Trotzdem beruhigt die Stewardess Angela Merkel die Fluggäste mit „haben Sie keine Angst, ich habe schließlich Physik studiert.“ Die reichen Leute aus der ersten Klasse und die Piloten sind da schon längst abgesprungen.

Es sind Erläuterungen wie diese, die von Wagner an der Seite von Max Uthoff in der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ berühmt gemacht haben und die auch in Kassel einschlagen. Das Publikum lacht und applaudiert oft.

Das liegt auch daran, dass „Die Theorie der feinen Menschen“ eine gute Rahmenhandlung bietet. Von Wagner spielt den Sohn eines Wirtschaftsprüfers, der in einem Tresor eingeschlossen wurde. Obwohl er ihn kaum kannte, soll er eine Rede auf seinen verstorbenen Vater vorbereiten. Eine missliche Lage, die dem Kabarettisten viele Überleitungen bietet: Mal telefoniert er mit dem Banker, der ihn eingeschlossen hat, mal zitiert er aus dem Schriftverkehr seines Vaters oder erzählt aus einer fiktiven Kindheit.

Dass von Wagner seine Pointen dabei ohne bayrischen Dialekt vorträgt, bezeichnet er ironisch als Geburtsfehler – denn seine Eltern stammen aus Norddeutschland.

Von Benedikt Dittrich

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