Cluesos „Neuanfang“ ist ein sehr persönliches und gefühlvolles Album

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Neues ausprobiert: Es hat auch Kraft gekostet, sagt Sänger Clueso über seinen Neuanfang.

Das Krasseste, was Clueso je gemacht hat? Er hat neu angefangen. Sich von vielen Dingen und auch Menschen gelöst und die Entscheidung getroffen, Neues auszuprobieren.

Im Sommer vor einem Jahr hat er sich von seiner Band getrennt, um sein eigenes Ding zu machen. Darauf hatte er Lust. Aber das habe Mut gekostet, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich habe mich wie ein Junge gefühlt, der nach der Schule den Ranzen in die Ecke wirft und ruft: Was soll ich tun?! Ich habe meine Gitarre genommen“, sagt der Sänger. Das war der Anfang von „Neuanfang.“ Es ist das neue, stärkste und gefühlvollste seiner sieben Alben.

Mitten ins Herz gezielt

Er hat viel zu erzählen, der sensible Thomas Hübner, der aus Erfurt stammt. Es geht um mehr, als um einen Neustart. Es geht um Schattenseiten des Lebens - des Erfolgs. Es ist auch ein Befreiungsschlag, einer zum Mitfühlen und mit Glücksmomenten.

Die Lieder erzählen von zerbrechenden Beziehungen. „Wenn du liebst“ ist eine Ballade, die er mit Kat Frankie aufgenommen hat, mitten ins Herz zielt - und trifft. Clueso singt davon, wie es ist, in sein Element - die Musik - ab- und wieder aufzutauchen („Neue Luft“). Davon, wie es sich anfühlt, wenn die Leute über einen reden. „Es wird viel geredet und es ist komisch, wenn man dann die Geschichten von sich hört. Aber das ist klar, ich werfe ja meine kleinen Lebenswerke aus dem Fenster“, sagt er und verpackt es im Song so: „Wenn sie reden, lass sie reden, reg dich nicht auf.“ Arbeitet auch mit Reimen. Bei „Achterbahn“ geht er „ab wie Sau“, wie er sagt, und nimmt seine Zuhörer mit auf die turbulente, fast schon gerappte Fahrt. Soul hatte er schon immer, der fehlt auch diesmal nicht.

Neu ist eine Art Indie-Sound, der wie eine Klammer alle Songs umschließt. Es ist viel Sprechgesang auf dem Album, das an Cluesos HipHop-Wurzeln erinnert. An sein erstes Album „Text & Ton“ von 2001. Damals stand er auch am Anfang. Und konnte nicht ahnen, dass es ihn auf die großen Bühnen führen, dass er sechs Soloalben, drei Live-Alben, 25 Singles herausbringen wird. Dass er fünf Mal Gold, zwei Mal Platin abräumt. Konzerte vor bis zu 60 000 Besuchern gibt.

Und: Irgendwann bei so einem Auftritt das Gefühl, die Sehnsucht danach bekommt, sich einfach vor all den Menschen auf die Bühne zu legen, um zu schlafen. Den Preis der Berühmtheit nennt er das heute und hat dafür ein Lied. „Gordo“ handelt von einem Äffchen, das Ende der 50er-Jahre von der Nasa ins All geschossen wurde. „Er schaut nach unten aus dem Fenster ... fühlt sich allein und so schwach“, heißt es im Song. Wohl kaum ein anderes Stück auf „Neuanfang“ macht klar, wie nötig es war, dass der 36-Jährige die Reißleine fand und kräftig daran zog. Der neue Clueso ist kein anderer, er ist nur näher bei sich. Das hat Kraft gekostet, sagt er.

Wie sich der Neuanfang jetzt anfühlt? „Gut“, sagt er. „Man muss nicht an allem kleben, auch wenn man es sehr mag. Ich kann jedem nur empfehlen, es zu machen.“

Manchmal wird Mut belohnt.

Clueso: Neuanfang (Universal), Wertung: Fünf von fünf Sternen

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