Marco Comin dirigierte im Sinfoniekonzert Elgar und Mendelssohn

Konzertkritik: Marco Comin dirigierte Sinfoniekonzert des Staatsorchesters 

Wurde nach seinem vorerst letzten Sinfoniekonzert in Kassel gefeiert: Der scheidende Erste Kapellmeister Marco Comin. Foto: Schachtschneider

Kassel. Mit außermusikalischen Programmen ist das so eine Sache: Wer wäre ohne entsprechende Hinweise darauf gekommen, dass Edward Elgar (1857-1934) in seiner Konzertouvertüre „In the South (Alassio)“ Eindrücke einer Reise an die italienische Riviera verarbeitet?

Beim Sinfoniekonzert des Staatsorchesters in der Kasseler Stadthalle war diese aufgewühlte und aufwühlende Musik dazu angetan, einmal vorzuführen, welche Klanggewalt ein blechbläsergesättigtes Orchestertutti entfalten kann.

Das 1903 komponierte halbstündige Werk zeigt Elgar als britisches Pendant zu Richard Strauss. Seine Einfälle, etwa die Schichtung dissonanter Akkorde und deren Auflösung, dazwischen auch ein ausgiebiges Bratschensolo, zeugen von insistierender Kraft.

Marco Comin bändigte die Klangflut im letzten Kasseler Sinfoniekonzert vor seinem Wechsel nach München mit souveräner Geste.

Filigraner und klanglich subtiler hat Felix Mendelssohn Bartholdy 70 Jahre zuvor seine schottischen Reiseerlebnisse verarbeitet. Die elegante, trotz heftiger Kontraste stets fein kolorierte Klanglichkeit seiner Musik war bei Marco Comin in besten Händen.

Etwa das sanft bewegte Eingangsthema der Hebriden-Ouvertüre (1829/30) in seiner exquisiten Streicher-Bläsermischung. Viele klangliche Kostbarkeiten kamen zutage bei diesem Stück über die Hebriden-Insel Staffa, in dem sich idyllische Momente mit Sturmszenen abwechseln.

Schottische Folklore

In seiner dritten Sinfonie, der „Schottischen“, greift Mendelssohn ebenfalls Eindrücke seiner Schottlandreise auf. Sie lag 1842 allerdings bereits 13 Jahre zurück. Formal interessant ist die pausenlose Abfolge der vier Sätze. Die verhangene Einleitung und das schwermütige Hauptthema führen in ein lebhaftes sinfonisches Geschehen, das Comin in feinen Schattierungen und mit sanfter Eindringlichkeit zum Leuchten brachte. Mit einer Selbstverständlichkeit, die wenigen Dirigenten eigen ist, versteht es Comin, Gegensätze zu verbinden, Übergänge zu schaffen, einen Satz zu formen.

Schottische Folklore blitzte farbenreich im zweiten Satz auf, und nach dem stimmungsvollen Adagio dirigierte Comin das spritzige Finale mit viel Feuer bis hin zum Maestoso-Teil, in dem der Satz nach kraftvollem Hörnergesang eine elegante Schlusswendung nimmt.

Der jubelnde Beifall der 1300 Zuhörer, der sich zu Standing Ovations steigerte, galt vor allem dem Dirigenten Marco Comin, der sich diese besondere Wertschätzung allerdings nicht nur an diesem letzten Konzertabend verdient hat.

Von Werner Fritsch

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