Die Arolser Barock-Festspiele wurden schwungvoll mit französischer Tanzmusik um 1600 eröffnet

Wenn aus Folklore Kunst wird

Zu Gast aus Frankreich: Die „Musiciens de Saint-Julien“ mit der Sopranistin Annie Dufresne (links) und ihrem Leiter François Lazarevitch (rechts). Bei den langhalsigen Zupfinstrumenten handelt es sich um Theorben, eine besondere Art von Lauten. Foto: Keim

Bad Arolsen. Die europäische Kunstmusik ist nicht vom Himmel gefallen. Seit der Renaissance speiste sie sich vornehmlich aus zwei Quellen: der Kirchenmusik und der volktümlichen Musik - und da vor allem aus dem Tanz.

Wie Tanzmusik um 1600 zu Kunstmusik wird, das führte das Pariser Ensemble „Les Musiciens de Saint-Julien“ im Eröffnungskonzert der 25. Arolser Barock-Festspiele vor, die zum Jubiläum als „Europäisches Fest“ gefeiert werden. In der fast ausverkauften Fürstlichen Reitbahn kamen nicht nur die acht Musiker, sondern auch das Publikum ins Swingen.

„Et la fleur vole“ war das Programm mit französischen Tänzen und Tanzliedern überschrieben. Ausgerechnet der in Creuzburg bei Eisenach geborene Komponist Michael Praetorius (1571-1621) lieferte mit seiner 1612 unter dem Titel „Terpsichore“ veröffentlichen Sammlung „Allerley Frantzösische Däntze und Lieder“ dazu einige originelle Beiträge.

Dazu kamen Tänze und Lieder von Komponisten wie Gabriel Bataille (1574-1630), Jacques Mangeant (gest. 1615) bis hin zum Hofkomponisten André Philidor (1652-1730).

Der Reiz dieser Musik, die von den Gästen aus Frankreich spielfreudig und auf technisch erstklassigem Niveau dargeboten wurde, besteht zu einem nicht geringen Teil in der ungewöhnlichen Besetzung.

Insbesondere die Musette, eine Art Dudelsack, der von einem unter dem Arm getragenen Blasebalg versorgt wird, bringt eine in der Kunstmusik kaum bekannte Farbe hinein. François Lazarevitch hellte die prinzipielle Monotonie dieses Instruments durch spieltechnische Raffinesse auf.

Grundiert von zwei Theorben, wahlweise auch Barockgitarren, einer Gambe, dazu illustriert von Violine und Viola, und rhythmisch durch feine Trommelklänge pointiert, hatte diese farbige Musik eine geradezu suggestive Wirkung. Sie wurde noch durch den fein verzierten, dabei fast vibratolosen Gesang der Sopranistin Annie Dufresne verstärkt.

In den Branles (Reigentänzen) und Passepieds verband sich so klangliche mit rhythmischer Delikatesse. Langer, skandierender Beifall und zwei Zugaben belohnten die Musiker aus Frankreich.

Heute, 20,30 Uhr, Fürstliche Reitbahn Bad Arolsen: Abschlusskonzert (ausverkauft).

Von Werner Fritsch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.