Kasseler Karfreitagskonzert mit Howard Arman

Wenn Instrumente sprechen können

Stilsicher: Dirigent Howard Arman. Foto:  Ketz/nh

KASSEL. Zu Lebzeiten ein Star, seit dem 19. Jahrhundert oftmals als Langweiler missverstanden - das ist die merkwürdige Geschichte des Komponisten Joseph Haydn (1732-1809). Haydn sei heute „etwas für die feinen Kenner“, hat Alfred Brendel einmal in einem Interview gemeint. Erst recht dürfte dies für „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ gelten, die beim Karfreitagskonzert in der fast ausverkauften Kasseler Stadthalle aufgeführt wurden.

Haydns Komposition, hier in der Orchesterfassung gespielt, besteht bis auf den furiosen „Erdbeben“-Finalsatz aus lauter langsamen Sätzen, was manche als eintönig empfinden mögen. Außerdem erheischt die gleichsam sprechende Instrumentalmusik, in der die Hauptmotive aus der Deklamation der lateinischen Bibelworte abgeleitet sind, keine Betroffenheit. Haydns tönender Diskurs und klassischer Humanitätston sind schwerer zu verstehen als romantisches Pathos.

Differenziert, mit vielfältigen Akzenten und Schattierungen angereichert, auch die beschwingteren Momente des Werks zur Geltung bringend, war die Wiedergabe durch das Staatsorchester Kassel und den Gastdirigenten Howard Arman, den Leiter des MDR-Rundfunkchores. Sporadische Inhomogenitäten fielen kaum ins Gewicht, weil die Instrumentalisten und der aus der Haydn-Hochburg London stammende Dirigent den Stil der Musik sehr gut trafen.

Robert Schumanns „Frühlingssinfonie“, die nach der Pause folgte, hat man hingegen schon mal mit mehr Drive, mehr Leichtigkeit gehört. Auch schien es, dass zuvor in der kleineren Haydn-Besetzung abgestufter und mit einer besseren Balance zwischen Streichern und Holzbläsern musiziert worden war. Lang anhaltender Schlussbeifall nach Schumanns beliebter Sinfonie.

Von Georg Pepl

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