Wenn der Lack des Luxus abblättert

Uraufführung: Urs Widmers "Ende vom Geld" in Darmstadt

Eingeschlossen: Uwe Zerwer (Banker), Gerd K. Wöfle (Unternehmer), Christina Kühnreich (NGO-Delegierte). Foto: Aumüller

Darmstadt. „Das Ende vom Geld“, Urs Widmers neues Stück, steht in Michael Helles Einstudierung im Darmstadter Staatstheater auf der Bühne. Eine Uraufführung, die weder die Durchschlagskraft von „Das Fest“ noch die seiner preisgekrönten „Top Dogs“ erreicht.

Sie haben so eine Art „Weltwirtschaftsgipfel“ hinter sich gebracht, stehen zur Abreise bereit in der Lobby des Davoser Luxushotels, gestikulieren, telefonieren, schwadronieren. Aber sie können nicht raus! Das Hotelpersonal hat in wilder Flucht die Halle verlassen, die Ausgänge sind blockiert, die Fenster verschlossen, das Licht schwankt. Niemand zu erreichen. Die Protagonisten der Wirtschaft, die die Welt regiert, sind eingeschlossen. Wichtige Termine werden versäumt, Verlustgeschäfte drohen, zu allem Unglück versagen die Handys. Und niemand weiß, was passiert ist.

Vertreter der Hochfinanz, die ohne Wasser, Nahrung und frische Luft ihr Imponiergehabe verlieren, aufs Kreatürliche herabsinken, sodass Eigennutz, Gier und Primitivität sichtbar werden - das wäre ein Thema. Doch kommt trotz des abrupten „guten“ Endes nicht mehr heraus als ein unterhaltsamer Abend, an dem die ihrer Kleidung wie aller Zivilisation entkleideten Damen und Herren jede Contenance einbüßen, brüllen, prügeln, schimpfen und sich um die letzten Tropfen Sekt balgen.

Böse Farce

Dass alles oberflächlich bleibt, mag am Stück liegen, andererseits an Helles Inszenierung dieser im Grunde bösen Farce. Das Publikum bedachte die Mitwirkenden mit langem, freundlichem Beifall. Voran für Uwe Zerwer (Banker), Matthias Kleinert (Professor), Hubert Schlemmer (Minister), Gerd Wöfle (Unternehmer) und Heinz Kloss (Bischof).

Nächste Termine: 3., 13., 21., 27.4., Tel. 06151/ 2811-600, www.staatstheater-darmstadt.de

Von Britta Steiner-Rinneberg

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