Bernhard Schlinks legt den zweiten Sammelband mit Erzählungen vor

Wenn Liebende lügen

Bernhard Schlink Foto: dpa

Bernhard Schlink, durch seinen Roman „Der Vorleser“ und dessen brillante Verfilmung weltbekannt geworden, ist auch ein Meister der kleinen Form. Mit „Sommerlügen“ legt er nun seine zweite Sammlung von Kurzgeschichten vor. Erzählungen, die jede für sich selbstständig konzipiert sind, die aber ein Generalthema verbindet: die Lüge und deren Folgen für eine enge menschliche Beziehung.

Das muss nicht nur ein Liebesverhältnis sein, es kann auch die heikle, letztlich rätselhaft bleibende Verbindung zwischen Vater und Sohn sein. Immer aber sind es Situationen, die auf der Kippe stehen, in denen der eine, meist der schwächere, Partner Ängste, Selbstzweifel, Defizite zu überwinden hat, sich in die Enge getrieben fühlt.

Lügen, die in so einer heiklen oder bedrohlichen Situation als rettender Ausweg erscheinen, können eine Eigendynamik entwickeln, die das feine Gespinst liebender, vertrauensvoller Gemeinsamkeit zerstört. Danach ist nichts mehr, wie es war.

Der 66-jährige Staatsrechtler Schlink, bis 2009 Professor für Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin, beschreibt diese komplizierten Beziehungen, die Selbsttäuschungen und falschen Hoffnungen seiner Protagonisten wie auch die Nebenwirkungen scheinbar harmloser Handlungen mit kühlem Understatement und sanfter Melancholie und baut dabei eine untergründige Spannung auf, die den Leser in ihren Bann zieht. Es sind moderne Menschen, die er in diesen Miniaturen durchleuchtet, die attraktive Berufe und Erfolg haben und dennoch an sich selbst leiden. Alles mündet schließlich in die Frage „Was ist Glück?“, auf die es hier keine Antwort gibt.

Bernhard Schlink: Sommerlügen. Diogenes, 279 Seiten, 19,90 Euro, Wertung: !!!!:

Von Claudia v. Dehn

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