Ausstellung „Marienerscheinungen in Kurhessen“ von Prof. Gunter Rambow in Kassel

Wenn Maria erscheint

Maria mal von ihrer weltlichen Seite: Ausstellung „Marienerscheinungen in Kurhessen“ mit Fotografien von Prof. Gunter Rambow in der Kasseler Fotostation. Fotos:  Rambow/Reproduktion/nh

Kassel. Ein entblößter Frauenpopo reiht sich an den nächsten. Ob im Weizenfeld, vor einem documenta-Werk oder vor dem Neptunbrunnen bei den Kasseler Wasserspielen: Das weibliche Gesäß ist in der Fotoausstellung „Marienerscheinungen in Kurhessen“ omnipräsent. Die ungewöhnlichen Schwarz-weiß-Bilder entstammen dem Fotobuch des Grafikdesigners und Fotografen Professor Gunter Rambow aus dem Jahr 1969.

In einer Zeit, als sich junge Menschen gegen den Muff von tausend Jahren unter den Talaren auflehnten und mehr Freiheit in allen Lebensbereichen, auch in der Sexualität forderten, entstand das 56 Seiten starke Werk. „An einem verlängerten Wochenende“, wie der heute 77-jährige Künstler verraten hat.

Der Verein Kasseler Fotoforum stellt erstmals in den Räumen in der Kasseler Werner-Hilpert-Straße aus und macht den Anfang mit den Marienerscheinungen von Rambow.

Warum die Wahl zum Ausstellungs-Auftakt auf den Professor fiel, der von 1974 bis 1991 an der Gesamthochschule Kassel Grafikdesign lehrte, ist schnell erklärt: „Das Konzept der Fotografien ist etwas ganz Besonderes. Die Fotos sind frech, frei und frivol. So was traut sich heute niemand mehr“, lobt der Vorsitzende des Vereins, Michael Wiedemann, die Provokation in Rambows Werk. Und Rambow ließ keinen Ort rund um Kassel dafür aus: Der Bergpark, ein altes Schloss, im Bad, am Küchentisch, überall ist der Po der Dame zu sehen – doch niemals ihr Gesicht. Ob es immer das gleiche Fotomodell gewesen ist, darüber schweigt sich der Künstler aus.

Reichen nicht schon die Bilder als Provokation, gibt der Titel der Fotosammlung noch eins obendrauf und spielt mit den Erwartungen der Betrachter. Wer bei „Marienerscheinungen“ an die heilige Jungfrau denkt, die unbefleckt den Erlöser gebar, der wird enttäuscht. Denn die Bilder zeigen nicht das Heilige, was der Titel verspricht. Sie zeigen vielmehr die Frau als sexuelles Wesen in allen Lebensbereichen.

Mittlerweile wird Rambows Fotobuch in einigen Antiquariaten mit bis zu 120 Euro gehandelt. Nur noch wenige Exemplare sind im Umlauf, denn ein Nachdruck ist nicht mehr möglich. Dafür sorgte Rambow selbst, als er nach dem Erscheinen seines Werkes sämtliche Negative zerstörte.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Mai in der Station Kasseler Fotoforum, Werner-Hilpert-Straße 15, donnerstags, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr zu sehen.

Von Viktoria Fischer

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