Organist Martin Lücker und Künstlerin Gudrun Hofrichter mit einem anregenden Abend in der Martinskirche

Wenn Musik zum Bild wird

KASSEL. Eine faszinierende Begegnung von Musik und bildender Kunst erlebten die rund 100 Besucher der Reihe „OrgelPlus“ am Mittwoch beim Orgelfestival in der Martinskirche: Martin Lücker und Gudrun Hofrichter gestalteten einen anregenden Abend und bekamen großen Beifall vom Publikum.

Martin Lücker, Organist an St. Katharinen in Frankfurt und emeritierter Frankfurter Hochschulprofessor, beeindruckte an der grandiosen Rieger-Orgel mit Johann Sebastian Bachs „Leipziger Chorälen“. Bach hat diese Sammlung aus Choralbearbeitungen in seinen letzten Lebensjahren zusammengestellt und dabei früher entstandene Kompositionen überarbeitet. Es ist Musik von Ewigkeitswert, ein Beweis dafür, was der menschliche Geist vermag.

Mit imponierender Klarheit brachte Lücker die 18 Choralbearbeitungen zum Erklingen, durchleuchtete die so kunstvoll verschlungenen Linien. Um nur eines von vielen Details zu erwähnen: In „Jesus Christus, unser Heiland“ BWV 665 gab es schmerzliche chromatische Tonfolgen als Leidenssymbol von eindringlicher Wirkung.

Auf einer Tischreihe

Live zur Musik schuf die Kasseler Künstlerin Gudrun Hofrichter die 18 Bilder ihres Zyklus „Bach Papiere“. Die Arbeit war keine Improvisation, da sich Hofrichter im Vorfeld intensiv in die Stücke eingehört hatte.

Sie benutzte neben Aquarelltechnik auch Wachsstifte, Bleistifte und Rohrfedern, an aneinander gereihten Tischen mitten in der Kirche agierend, während die Sitzreihen der Besucher ihr zugewandt waren.

Eingehend konnte das Publikum die Bilder erst in der Pause und nach Konzertende betrachten. Die Künstlerin hat flächige und gezeichnete sowie abstrakte und gegenständliche Elemente vereint – wohl der größte Reiz ihrer „Bach Papiere“. Mit inhaltlichem Bezug zu den Choralbearbeitungen gab es fein angedeutete Motive wie Kreuz, Taube oder Engel.

So sensitiv die Kunst anmutete, so subjektiv muss ein solcher Zugriff bleiben. Deshalb darf man auch anmerken: Hofrichters Stil würde zu französischer Orgelmusik, etwa von Olivier Messiaen, vielleicht noch besser passen.

Von Georg Pepl

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