Der Kasseler Bachchor mit der Matthäuspassion von Carl Philipp Emanuel Bach in der Martinskirche

Wenn ein Stilmix bereichert

Großer Wohlklang: Der Kasseler Bachchor beim Auftritt mit der Accademia Filarmonica Köln in der Martinskirche. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) war der große Sohn des noch größeren Johann Sebastian und ein origineller Komponist. Kein Geringerer als Joseph Haydn sagte einst: „Wer mich gründlich kennt, der muss finden, dass ich dem Emanuel Bach sehr vieles verdanke.“

Eine Lanze für Carl Philipp Emanuel Bach brachen nun Norbert Ternes und der Kasseler Bachchor in der nicht ganz vollen Martinskirche. Langen Beifall gab es nach der Kasseler Erstaufführung der Matthäuspassion aus dem Jahr 1769, die mit einem aufregenden Stilmix für Spannung sorgte.

Carl Philipp Emanuel hat barocke Chorsätze seines Vaters und anderer Komponisten in sein Werk übernommen, die ausgedehnten Arien aber neu komponiert. Wie Haydn liebte er abrupte Übergänge, überraschende Wendungen, eine sprunghafte Expressivität.

In der Bass-Arie „Donnre nur ein Wort der Macht“ weicht etwa ein triumphaler Gestus einer bildhaft gemalten „zagenden Frechheit.“ Charakteristisch ist auch dieses Detail: Mitten im Satz „Petrus aber folgete“ wird der Bericht des Evangelisten unterbrochen und ein Arioso eingeschoben. Einen großen Bogen hatte die von Norbert Ternes präzise geleitete Aufführung trotzdem.

Der Bachchor gefiel durch seinen Wohlklang, ließ es aber auch an Dramatik nicht mangeln, etwa in dem zweimaligen „Lass ihn kreuzigen“ aus der Vertonung des Vaters. Ausgefeilt musizierte das Originalklang-Ensemble Accademia Filarmonica Köln.

Als herausragender Sänger erwies sich Nils Giebelhausen, der neben dem Evangelisten-Bericht auch die Tenor-Arien beisteuerte - mit wunderbar leuchtender, geschmeidiger Stimme.

Zwischen gut und wenig überzeugend pendelten die übrigen Solisten. Mit Hingabe gestaltete Jochen Faulhammer die Bass-Arien. Jugendlich, dabei im Helligkeitsgrad des Sopran-Timbres unterschieden, klangen die Schwestern Felicitas und Judith Erb. Eher unverbildet war der Alt von Evgeniya Malkiel, und neben engagierten Soli aus dem Chor war der Bassist Janusz Niziolek zu hören: ein rauer Christus.

Von Georg Pepl

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