Theater-AG des Lichtenberg-Gymnasiums: Wenn Träume sich erfüllen

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Ergreifend: Julia Boczkowski (v. l.), Julia Schönwetter und Eileen Stederoth.

Kassel. Die Bühne wird hell - nur zögerlich beginnt der Applaus. Das Publikum ist noch viel zu gefangen von dem soeben Gesehenen. Doch dann gibt es tosenden Beifall für die Theater-AG des Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasiums.

Mit ihrer Inszenierung von „Woyzeck“ nach Georg Büchner haben die Schüler unter der Spielleitung von Nikolaos Lampos ganz auf die Wirkung von Bildern und die Schaffung von Atmosphäre gesetzt. Mit Erfolg. Bei der Aufführung überzeugten die Darsteller mit schauspielerischem Können und einer packenden Inszenierung.

Franz Woyzeck (Colin Niederdelmann) liebt Marie (Julia Boczkowski) - für immer. Doch schon bald nach den ersten großen Gefühlen beginnt Woyzecks inneres Gleichgewicht durch äußere gesellschaftliche Einflüsse aus den Fugen zu geraten. Auch Marie orientiert sich bald anderweitig und beginnt eine Affäre mit einem Tambourmajor (Maurice Malten). Woyzeck nimmt mehr und mehr psychopathische Züge an und ermordet ein ums andere Mal seine Freundin - bis der Traum wahr wird.

Die Herausforderungen einer Woyzeck-Inszenierung sind nicht nur die markanten Charaktere und die Studie der menschlichen Psyche. Sondern auch die fragmentarische Fassung, in welcher das Drama aufgrund des frühen Todes von Büchner überliefert ist. Die Theater-AG hat diese Herausforderungen mit Bravour gemeistert.

Ein zunächst reduziert wirkendes Bühnenbild, Sofa vorn, Podest im Hintergrund, wird mithilfe von Videosequenzen und Live-Übertragungen auf eine große Leinwand zu einem unübersichtlichen Ort des Geschehens. Mit Absicht, wie Lampos erklärt. Dem Publikum soll das Gefühl der Hektik, das Woyzeck empfindet, vermittelt werden. Zusammen mit der authentisch projizierten Sehnsucht nach Liebe und Nähe wird das Stück zu einem ergreifenden Theatererlebnis, das mit Sicherheit unter den besten Schultheatern ganz weit oben rangiert.

Weitere Vorführungen am 11. und 12. April, jeweils 19.30 Uhr, im Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium.

Von Kirsten Ammermüller

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