Wenn Wolken weinen: Supertalent Jean-Michel Aweh in Wolfhagen

Gut gelaunt: Jean-Michel Aweh in Wolfhagen. Foto: Hoffmann

Wolfhagen. Als er im Dezember 2012 im Glitzerkonfettiregen auf der Fernsehbühne stand und von Dieter Bohlen zum RTL-Supertalent gekürt wurde, hätte Jean-Michel Aweh wohl nicht im Traum damit gerechnet, ein gutes Jahr später vor nicht einmal 50 Zuhörern im kleinen Wolfhager Kulturladen auftreten zu müssen.

Doch was heißt müssen? Es mag ein Segen für den jungen Kasseler sein, die Maschinerie aus Plattenfirmen und Managements hinter sich gelassen zu haben. Der Auftritt am Donnerstag zum Abschluss des zweiten Wolfhager Winterfestivals jedenfalls lässt auf einen vielversprechenden Neuanfang hoffen.

Aweh wirkt befreit, als er mit dem Titel „Diese Nacht“ startet. Die sanfte und doch ausdrucksstarke Stimme gleitet über die herzerwärmenden Pianoklänge, als seien die schweren Tage der mangels Zuschauerinteresse abgesagten Deutschlandtour nie geschehen.

Ganz schön erwachsen klingt er für seine 21 Jahre, zumindest dann, wenn er singt und nicht gerade Gummibärchen verteilt, von zahllosen Kneipenbesuchen berichtet oder stolz die knallblauen Sneakers ins Scheinwerferlicht hält, die er mit einem edlen Zwirn kombiniert hat.

Aweh singt von der Wolke, die für ihn weint, und der Sonne, die nicht scheint. Texte, die von seinem Leben erzählen, von schönen Momenten und

jenen, die er vielleicht lieber nicht erlebt hätte. „Schatten ohne Licht“ ist ein solcher, der erste neue Titel des Abends, in dem er auf seine gewohnt gefühlvolle Art den Verlust eines geliebten Menschen verarbeitet hat.

Auch das hitverdächtige „Feuer und Flamme“ bringt nicht die angekündigte „neue Musikrichtung“, mit der der sympathische Sänger im März sein Comeback starten will. Einzig „Auf der einen Seite“ zeigt einen neuen Aweh - einen rappenden.

Der ist gewöhnungsbedürftig und bleibt glücklicherweise die Ausnahme während dieses umjubelten Auftritts, mit dem er an der Seite von Michael Struhtz (Gitarre) und Katharina Sprenger (Gesang) beweist, dass er nicht umsonst vor gut einem Jahr im Konfettiregen zum Supertalent gekürt wurde.

Von Sascha Hoffmann

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