Axel Hacke las im Staatstheater aus seinen Büchern und Kolumnen

Wenn die Zwiebel anruft

Wiederverwerteter Wortmüll: Axel Hacke im Schauspielhaus. Foto: Fischer

Kassel. Die riesige lila Kugel liegt seit Monaten auf der Kommode. Übrig geblieben vom Weihnachtsfest, obwohl schon Mitte des Jahres ist. Herr Man, Frau Jemand und Einer gehören sozusagen zur Familie und sind stinkfaul. Paola rügt das immer wieder: „Jemand muss die Kugel in den Keller bringen“, sagt sie oder: „Man müsste sie wegräumen.“ Axel Hacke erklärt auch „das partnerschaftliche Passiv“: „Sie muss weggeräumt werden.“

Eine Lachsalve im fast ausverkauften Schauspielhaus brandet auf. Der Beste unter den deutschen Kolumnisten hat seinen Fans in den ersten Minuten ins Herz geschaut. Lachen, sich wieder erkennen.

Der vielfach ausgezeichnete Journalist und Schriftsteller, früher Redakteur bei der „Süddeutschen“, heute noch Kolumnenschreiber, ist Sprachsucher und Sprachkünstler, fantasievoller Spötter und Philosoph des Alltags. Wenn er liest, immer Kontakt mit dem Publikum haltend, ist er eine Mischung aus Harald Schmidt und dem frühen Kishon: Lästerlich und menschlich zugleich, surreal und skurril.

Die Geschichten aus seinem Buch „Das Beste aus meinen Leben“ gehen über die Kolumne weit hinaus, sind Miniaturen vom täglichen Scheitern, kunstvoll komponierte Sketche aus dem Alltag. Über den Winter und die kachelverkleideten Toiletten in den Skigebieten („Die haben einen Vertrag mit den Orthopäden“) sinniert er wie über die Frage, ob Flamingos fliegen können. Oder stehen die immer nur auf einem Bein und frieren?

Der Unermüdliche betreibt einen „Wortstoffhof“. Mithilfe seiner Leser sammelt er Wortmüll. „Wenn das Falsche so schön ist“, sagt er lachend, „kann man ein Buch daraus machen.“

Die Poesie des Irrtums ist atemberaubend komisch wie die Lektüre von Speisekarten im Ausland: Man bestellt „onion rings“: „Die Zwiebel ruft an“. Sprache macht Spaß bei Hacke.

Und dann kehrt der weiße Neger Wumbaba zurück: Die schönsten Verhörlieder, ein Selbstläufer in Hackes Buchprogramm. Was man falsch hört, kann richtig werden mit der Zeit. Dann taucht aus der Zeile „Der weiße Nebel wunderbar“ in „Der Mond ist aufgegangen“ plötzlich „der weiße Neger Wumbaba“ auf. Steigt einfach aus den Wiesen.

Die Hitliste der Verhörsongs ist brüllend komisch: Na klar, The king of Wumbaba, Herbert Grönemeyer, belegt Platz eins. Tusch. Man kann auch Fruchtzwerge im Bauch haben. Große Klasse, auf Wiedersehen, vielen Dank.

Von Juliane Sattler

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