Wenn die Zwiebel anruft

Axel Hacke las in Waldeck beim Literarischen Frühling

Einer der bekanntesten Kolumnisten Deutschlands: Axel Hacke unterhielt seine Zuhörer auf Schloss Waldeck. Foto:  Katharina Jaeger

Waldeck. Er habe bewiesen, dass auch aus einem Journalisten ein vernünftiges Mitglied der Gesellschaft werden könne, sagt Christiane Kohl, Organisatorin des Literarischen Frühlings, über Axel Hacke, ihren ehemaligen Kollegen bei der Süddeutschen Zeitung.

Der 59-Jährige las am Dienstag auf Schloss Waldeck aus seiner neuen Kolumnen-Sammlung „Das kolumnistische Manifest“ und anderen seiner Bücher. Und in den zwei Stunden wird klar, warum Hacke, der heute freiberuflich schreibt, so viele Bücher verkauft hat wie kein anderer Autor beim diesjährigen Literatur-Festival in Waldeck-Frankenberg.

„Sie müssen keine Angst haben: Ich lese Ihnen das zwar alles vor, was hier liegt, aber ich lese schnell. Zum Frühstück sind wir fertig“, stimmt Hacke seine Zuhörer im Rittersaal über dem Edersee auf einen langen Abend ein, der doch nicht so lang und schon gar nicht langweilig wird.

Axel Hacke schreibt in seiner Kolumne, die freitags im Magazin der Süddeutschen erscheint, fürs Volk, weil auch viele Ideen vom Volk kommen. Das nahm im Falle der Liedtext-Verhörer („ein Volksphänomen“) ungeahnte Ausmaße an, sagt Hacke und liest aus seiner Trilogie „Der weiße Neger Wumbaba“: Wenn ein Leser bei Grönemeyer statt „hab Flugzeuge in meinem Bauch. Kann nichts mehr essen“ immer „hab Fruchtzwerge in meinem Bauch“ verstanden habe, dann sei das der bessere Text. Interessant werde die deutsche Sprache aber erst außerhalb Deutschlands, wo sie frei von Regeln sei. Das werde besonders auf Speisekarten deutlich, wo „Onion rings“ auch mal mit „Zwiebel ruft an“ übersetzt wird. Auch darüber hat er ein Buch geschrieben („Oberst von Huhn bittet zu Tisch“), nachdem er auf eine Kolumne Speisekarten aus aller Welt erhielt.

Hacke hat einen trockenen Humor, spricht nüchtern und klar, betont wenig, aber an den wichtigen Stellen, dehnt Vokale, rollt das r. Man hört ihm gerne zu, und die Zuhörer auf Schloss Waldeck haben viel zu lachen. „Wenn profundes intellektuelles Wissen auf plattesten Kalauer trifft, das schätze ich“, sagt er.

Angefangen hat alles vor 25 Jahren mit der Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“, in der Hacke über sein Familienleben schrieb. „Nach zehn Jahren fiel mir zu meinem Leben nichts mehr ein.“ Seitdem heißt die Kolumne „Das Beste aus aller Welt“ und Hacke schreibt etwa über Forscher, die Rattenpenisse mit Viagrasalbe eincremen. „Da braucht man Fingerspitzengefühl“, sagt er und stellt sich vor, wie diese Forscher abends ihrer Frau von der Arbeit berichten.

„Das Schwierige an einer Kolumne: Sie muss immer gleich sein, aber auch anders. Sie darf den Leser nicht langweilen“, sagt Hacke, der auch nach 25 Jahren nicht langweilt. „Ich suche etwas in der Welt, das die anderen noch nicht bemerkt oder nicht für wichtig gehalten haben.“

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