Matthias Opdenhövel spricht im Interview über die Verleihung des Musikpreises Echo – ARD, 20.15 Uhr

„Wer will, kann mitschunkeln“

Matthias Opdenhövel

Ob „Schlag den Raab“, „Unser Star für Oslo“ und heute Abend die Echo-Musikpreis-Verleihung – Moderator Matthias Opdenhövel ist immer häufiger auf dem Bildschirm zu sehen.

Herr Opdenhövel, welche Schuhe tragen Sie heute bei der Echo-Verleihung ?

Matthias Opdenhövel: Ich bin mir noch nicht sicher, ob es Lackschuhe oder Stiefeletten sein werden. Was ich oben herum trage, verrate ich aber nicht.

Sie wurden unter anderem bekannt, da U2-Sänger Bono Ihnen einmal sagte, Sie würden „Schnellfickerschuhe“ tragen. Wird es heute Abend eher seriös als flapsig?

Opdenhövel: Das muss sich ja nicht ausschließen. Aber ich bin generell nicht flapsig. Meinen Moderationsstil hat ein Journalist einmal so beschrieben. Ich moderiere so, wie es angemessen ist.

Es sind wieder viele Schlager- und Volksmusik-Stars wie die Kastelruther Spatzen nominiert. Verschleiert der Echo, dass die Stärken der deutschen Musik eher in der Volksmusik als im Pop liegen?

Opdenhövel: Volksmusik war schon immer ein fettes Standbein der Musikindustrie. Ich finde es völlig legitim, dass ihr dieselbe Fläche in der Sendung zugestanden wird wie dem internationalen Pop. Das zeugt von Toleranz. Wer will, kann mitschunkeln. Und dass die Kastelruther Spatzen die Nummer eins unter den Echo-Nominierten sind, dürfte viele überraschen. Die haben schon zwölf gewonnen.

Trotzdem hat RTL vor drei Jahren Werbung gezeigt, als Schlagersängerin Andrea Berg den Echo bekam.

Opdenhövel: Natürlich ist so etwas nicht in Ordnung. Es wäre ein fairer Zug gewesen, alle Gewinner zu zeigen. Aber bei der ARD brauchen wir uns da keine Sorgen zu machen, die Sendung ist ja live.

Erfüllt der Preis den Anspruch, immer herausragende kreative Leistungen auszuzeichnen?

Opdenhövel: Natürlich sind auch die Verkaufszahlen von Alben ein Parameter für den Echo. Da tun sich alle internationalen Preise nicht viel. Auch bei der Verleihung der Grammys wird das nicht hinterfragt. Es wird auch geschaut: Wer hat am besten abgeräumt?

Wer ist Ihr Favorit?

Opdenhövel: Ich war traurig, dass die Solo-Karriere von Peter Fox nur ein Intermezzo war. Ich würde mich freuen, wenn er einen Echo gewinnt. Es ist mutig, dass er einen Schritt zurück macht und nur noch mit Seeed arbeitet. Fox hat eine Haltung, ihm geht es nicht nur um den kommerziellen Erfolg. Von 1000 Künstlern hätte das keiner gemacht. Davor habe ich Respekt.

Ihren Werdegang kann man nicht als geradlinig bezeichnen. Wussten Sie trotzdem schon immer, was Sie wollten?

Opdenhövel: Am Anfang nicht, sonst hätte ich mein BWL-Studium in Würzburg nicht begonnen. Damals habe ich erkannt: Das möchte ich nicht mein ganzes Leben lang machen. Das Volontariat bei der Zeitung habe ich nicht angenommen, da ich meine Chancen beim Radio größer eingeschätzt habe. Ich wollte Sportreporter werden. Daher war der Weg dann schon klar. Aber ich hatte als Kind nicht den Kochlöffel in der Hand und habe einen auf Peter Frankenberg gemacht. Ich habe irgendwann einfach gemerkt, Moderieren liegt mir. Gleichzeitig gehörten aber auch eine Portion Glück und Fleiß dazu.

Was ist aufregender: „Schlag den Raab“, der Echo oder ein Spiel von Borussia Mönchengladbach, für die Sie Stadionsprecher waren?

Opdenhövel: Das sind alles schöne Aufgaben. Trotzdem war es ein einschneidendes Erlebnis, vor 50 000 Menschen auf dem Rasen zu stehen. Das hatte einen Gänsehaut-Effekt. Bei „Schlag den Raab“ habe ich eine gesunde Grundspannung. Der Echo ist natürlich ein besonderes Event. Da gehe ich nicht einfach rein und sage mir: So, jetzt machen wir zwei Stunden Musik. Da werde ich schön unter Dampf stehen und freue mich drauf.

Noch eine Frage: Wann kommt das Ziegenbärtchen ab?

Opdenhövel: Ich hatte früher viel schlimmere Bart-Kreationen. Der ist doch inzwischen so klein, dass er kaum noch zu sehen ist.

Von Yvonne Albrecht

Zur Person

Matthias Opdenhövel wurde am 25. August 1970 in Detmold (Nordrhien-Westfalen) geboren. Nach dem Abitur begann er ein BWL-Studium in Würzburg, brach es jedoch ab. Es folgte ein Volontariat bei Radio Lippe, dann wechselte er zu Viva. Seit 2006 moderiert er die ProSieben-Show „Schlag den Raab“. Zudem moderiert er den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest neben Sabine Heinrich. Opdenhövel lebt in Köln, ist verheiratett und hat zwei Söhne.

Der deutsche Musikpreis Echo

Seit 1992 vergibt die deutsche Phonoakademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes der Musikindustrie, einmal jährlich den deutschen Musikpreis Echo. Damit ehrt sie herausragende und erfolgreiche Leistungen nationaler und internationaler Musiker in 23 Kategorien. Der Echo steht in einer Reihe mit dem Brit Award und dem amerikanischen Grammy. Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich moderieren diesmal. (ska)

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