Der ewig unverstandene Popsänger: Phil Collins beendet Karriere

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Phil Collins 1999 am Schlagzeug, 1982

Phil Collins muss sehr wütend gewesen sein, als er der britischen Zeitschrift „FHM“ das Interview gab, in dem er sein Karriereende verkündete. Der britische Sänger und Schlagzeuger kritisierte Preise wie die MTV Music Awards, bei denen es mehr um die Party als ums Musikmachen gehe.

Überhaupt widere ihn die heutige Musikszene an: „Ich bezweifle, dass mich irgendjemand vermissen wird. Ich werde viel glücklicher sein, wenn ich mich aus dem Geschäft zurückziehe“. Wumm. Das saß.

Der 60-Jährige, der nun aufhören will, sang Hits wie „You Can’t Hurry Love“ und „Another Day In Paradise“, verkaufte 250 Millionen Platten und bekam sieben Grammys sowie einen Oscar für seine Musik im Disney-Film „Tarzan“. Es gibt jedoch auch kaum jemanden, der mehr Häme einstecken musste. Wer als Pop-Experte gelten will, sagt, er finde Genesis mit Peter Gabriel viel besser als mit dessen Nachfolger Collins. Für die Autorin Julie Burchill ist er der „hässlichste Mann seit George Orwell“.

Es war wohl also nicht nur die angeschlagene Gesundheit, die nun eine der erfolgreichsten Karrieren des Pop beendete. Collins litt zuletzt unter Gehörschäden, Verrenkungen in der Wirbelsäule und Nervenstörungen. Bei den Aufnahmen zu seinem letztjährigen Album „Going Back“ musste er den Schlagzeugstock an der linken Hand mit Klebeband fixieren.

Im Herbst erklärte er unserer Zeitung im Interview, dass es weh getan habe, innig gehasst zu werden: „Ich habe mich oft gefühlt wie ein Schwimmer, der von der öffentlichen Meinung immer wieder unter Wasser gedrückt wird.“

Es gehört zu Collins’ Geschichte, dass die öffentliche Meinung zuletzt wieder umschlug. Man entdeckte seine Lieder neu und verzieh ihm, dass er nur ein durchschnittlicher Sänger war. Dafür wurden seine Fähigkeiten als außergewöhnlicher Instrumentalist und Songschreiber gewürdigt.

Seine Fans werden nun hoffen, dass das Ende nur eine Laune ist. Zuletzt hatte Collins prophezeit: „Ich werde sehr wahrscheinlich für immer Songs schreiben.“ Vielleicht wird er sie auch veröffentlichen.

Von Matthias Lohr

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