Das Titanic House in Belfast: Geschichte begreifbar machen 

Gigantischer Bau: Der amerikanische Architekt Eric R. Kuhne, der das Besucherzentrum entworfen hat, vor dem neuen „Titanic Haus“, das mehr sein soll als ein Museum. Foto: dpa

Belfast. Sie war der Stolz der Stadt, ein schillernder Kraftprotz, so hoch, dass die Häuser neben ihrer Werft zu Miniaturen schrumpften. Acht Arbeiterleben fielen dem Bau der Titanic zum Opfer, über Tausend ihrer Passagiere ertranken nur Tage, nachdem sie hier 1912 vom Stapel lief.

Der Untergang des Luxusliners galt Belfastern lange als Makel, heute entdecken sie in der Tragödie ihr alten Stolz - und Geld. Denn in der Werft steht ein neuer Kraftprotz: Titanic Belfast, ein Museum wie kein anderes.

Kein Museum

„Jetzt nennen Sie es bloß nicht Museum“, seufzt Pressesprecher Mark Sterling ziemlich angestrengt, „wir stellen hier ja keine Überbleibsel der Titanic aus. Sie ist ein Friedhof, und alle Gegenstände haben wir in ihrem Grab im Meer belassen.“

Der markante Bau, Belfasts größter Coup seit dem Stapellauf seines legendären Luxusliners vor 100 Jahren, lässt sich wohl am besten als „Erfahrung“ bezeichnet: Wie es sich angefühlt haben muss, gigantischen Bleche zu vernieten, über den Teppich der Edel-Kabinen zu schreiten oder die Hand auf das elegante Holz der Rettungsboote zu legen, wird hier buchstäblich begreifbar.

Für 130 Millionen Euro haben die Nordiren die moderne Landmarke genau dort errichtet, wo die Titanic 1912 geboren wurde: Zwischen kanariengelben Hafenkränen des Schiffsbauers Harland and Wolff erhebt sich die markante Silhouette. Inspiriert hat den Architekten Paul Crowe ein altes Schwarz-Weiß-Foto, auf dem die Titanic mit ihren zwei Schwesterschiffen hier im Dock stand - maritime Wolkenkratzer, die das Heer ihrer 3000 Arbeiter auf Ameisengröße reduzierte. Ihnen hat Crowe ein ergreifendes Testament gesetzt, in dem er die Höhe der drei Schiffsbuge kopiert hat.

Neun Galerien

Neun Galerien warten im Inneren. Darin können Besucher auf Projektionen der alten Baupläne laufen, so wie Ingenieure die gigantischen Kreidezeichnungen der Titanic auf dem Boden vorbereitet haben. Durch ein altes Eisentor schreiten sie in das Belfast des frühen 20. Jahrhundert, in dem 11 000 Männer in den Docks schufteten.

Per Korb-Aufzug geht es hinab in die Baustelle, mit allen Geräuschen, der Hitze und dem Geruch, der dazugehörte. Der Nachbau einer Kabine wird gezeigt und auch das Ende: Ein dunkler Raum, in dem nur noch Sterne funkeln und letzte SOS-Morse-Signale verklingen: die letzten Sekunden der Überlebenden.

Tief unten blickt man durch einen Glasboden auf das Wrack: Eine Überblendung tausender Unterwasser-Fotografien, die den Besucher zum Taucher werden lassen - und den Blick freigeben auf Schuhe im schlammigen Meeresboden, Weinflaschen, die Badewanne des Kapitäns und ein Holzdeck voller Seepocken und Rostzapfen, wo reiche Passagiere hätten plaudern sollen wie in einem Pariser Café.

Von Jasmin Fischer

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