Mehr als 100 Werke

Opulente Ausstellung „Jordaens und die Antike“ im Fridericianum

Kassel. Die erste monografische Werkschau des Künstlers Jacques Jordaens in Deutschland ist von Freitag an im Kasseler Fridericianum zu sehen.

Dass es unter den Souvenirs zur spektakulären, überaus opulenten Landesausstellung „Jordaens und die Antike“ im Museum Fridericianum in Kassel Ahle Wurst gibt, ist einerseits putzig, aber viel weniger abwegig, als man denken könnte. Jacob (oder Jacques) Jordaens, einer der bedeutendsten Meister des flämischen Barock, ist bislang vor allem bekannt als volksnaher Maler, der in genrehaft lebenslustig-derben, sinnenfroh-bäuerlichen Szenen Sprichwörter oder fröhliche Trinkgelage eher grobschlächtig darstellte - im Museum Schloss Wilhelmshöhe hängt etwa sein berühmtes „Bohnenfest“ („Der König trinkt“).

Über die Ausstellung

Zusammen mit Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck zählt Jordaens zu den führenden Meistern der flämischen Barockmalerei. Mehr als 100 Werke von Jordaens und seinen Zeitgenossen sowie antike Kunstwerke werden bei der Werkschau zu sehen sein, teilte die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) am Donnerstag mit.

Das Fridericianum zeigt in der Begleitausstellung zudem "Jordaens und die Moderne" mit Werken der drei zeitgenössischen Künstler Johannes Grützke, Hubertus Giebe und Rainer Mordmüller, welche Wirkung Jordaens noch heute hat.

Dieses gängige Jordaens-Bild jedoch will die Kasseler Schau, die in Kooperation mit den Königlichen Kunstmuseen Belgiens unter Schirmherrschaft von König Albert II. und Königin Paola sowie von Bundespräsident Joachim Gauck stattfindet, korrigieren. Aufgrund mehrjähriger Forschungen und aufwendiger kunsttechnologischer Untersuchungen (die in der Ausstellung auch erläutert werden) steht Jordaens’ Rezeption der Antike im Zentrum.

Vorgestellt und neu bewertet wird Jordaens als „Titan der Malereigeschichte“, wie es Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, formuliert, als „großer Menschenerzähler“, der in seinen monumentalen Gemälden antike Themen neuartig und eigenständig deutet: nicht sphärisch-überirdisch, sondern erdverbunden, lebensnah, mit Bodenhaftung. „Er holte die Kunst vom Himmel herab und stellte sie auf die Erde“, sagt Küster.

Ausgestellt ist vor blauem und weinrotem Hintergrund, wunderbar beleuchtet, die eindrucksvolle Fülle von über 100 Werken: Leihgaben aus dem Prado und dem Louvre, riesige Tapisserien, Studien in einem Zeichenkabinett, ergänzt durch Gipsabgüsse berühmter Statuen als Beispiele für antike Vorlagen und Vorbilder. Einige Bilder aus Privatbesitz sind in dieser ersten Einzelausstellung zu Jordaens in Deutschland erstmals öffentlich zu sehen.

Fotos: Jordaens-Ausstellung I

Jordaens-Ausstellung im Fridericianum

Service: Führungen immer am Wochenende

Die große Jordaens-Schau ist bis 16. Juni im Fridericianum zu sehen.

Öffnungszeiten: Di - So, Feiertage 10 - 17 Uhr, Do bis 20 Uhr

Eintrittspreise: 8 Euro, ermäßigt und Gruppen ab 10 Personen: 6 Euro, Studenten: 3 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: frei

Audioguide: 2 Euro

Katalog: „Jordaens und die Antike“ 39 Euro, „Jordaens und die Moderne“ 19,95 Euro

Führungen: Sa, So und Feiertage, 15 Uhr, Angebote für Kinder, Gruppen, Schulklassen und umfangreiches Begleitprogramm, Infos: Tel. 0561/316800 und 31680123 (Besucherdienst),

info@museum-kassel.de

www.museum-kassel.de

Ziel der Ausstellung ist darzustellen, woher Jordaens antike Quellen schöpfte, wie er sie auslotete, sich anverwandelte, Szenen prachtvoll neu komponierte und originell interpretierte: „Er konnte alle Register ziehen“, sagt Kurator Justus Lange, Leiter der Gemäldegalerie Alte Meister. Anschaulich ist gerade der Vergleich zu den flämischen Zeitgenossen Peter Paul Rubens und Abraham Janssen van Nuyssen.

Tipp für Besucher: Ratsam ist sicher, sich mithilfe des Audioguides, des üppigen Katalogs oder einer Führung über all die antiken Fabeln, Allegorien und Mythen zu informieren. Bacchus, Gott des Weines und des Rausches, mag bekannt, die Geschichten von Meleager und Atalante, Pan und Syrinx oder dem Satyr beim Bauern dürften weniger vertraut sein. Wer sich auf die imposante Ausstellung einlässt, dem eröffnen sich neue Perspektiven: auf diese uralten und zeitlosen Stoffe, aber vor allem auf einen Maler, der hier als Meister von europäischem Rang verortet wird.

Von Mark-Christian von Busse

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Fotos: Jordaens-Ausstellung II

Jordaens-Ausstellung im Fridericianum

Rubriklistenbild: © Fischer/HNA

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