Die S-Klasse am Staatstheater spielt „ O wer einmal jemand anders sein könnte!“ im tif

Der Wert der Erinnerung

Persönlicher Abend: Manfred Zalfen (von links), Angelika Hartmann, Monika Link, Doris Hobein, Ingrid Masuhr, Rüdiger Matthaei, Barbara Hewer und Jelena Maijere traten im tif auf. Foto: Karl-Heinz Mierke

KASSEL. Pierre Anthon stellt sich auf das Podest, schaut, als ob er mehr weiß als die anderen, und verkündet stolz seine Erkenntnis. Nichts bedeute etwas, sagt er, und deshalb lohne es sich auch nicht, etwas zu tun. Und die Klasse 7a? Sie will ihm etwas entgegensetzen, diesem Mr. Negativ. Ihm zeigen, dass es etwas gibt, das etwas bedeutet.

Regisseur Dieter Klinge hat gemeinsam mit dem Seniorenclub S-Klasse am Staatstheater das Stück „O wer einmal jemand anders sein könnte!“ über den Wert von Erinnerungen erarbeitet. Mit der Rahmenhandlung um Pierre Anthon beginnt die Rückschau. Zehn Männer und Frauen stellen dem Publikum im tif ihre eigenen Rückblenden vor: Da erzählt Barbara Hewer über den Beginn ihrer Liebe zum Theater, lässt Kurt Sogel seine Jugendzeit mit Gitarrenklängen wieder wach werden, und Monika Link erinnert sich an die kicherigen Teenagergespräche über Sex.

Das Rucksäcklein mit dem Kätzchen war immer dabei, wenn der Junge mit der Mutter in den Luftschutzbunker eilte, Köln brannte. Kindheit am Ende des Krieges, das war Flucht, Verlust, Angst und niemals zu Hause sein. Wo ist das Kätzchen? Manfred Zalfen erzählt nicht nur eine Geschichte, er gibt kompromisslos die Geschichte seines Lebens preis. Kinderkriegsjahre bestimmen das Leben, immer und immer wieder.

Weitere Mitwirkende: Angelika Hartmann, Lucia Hartung, Doris Hobein, Jelena Maijere, Ingrid Masuhr und Rüdiger Matthaei. Eene, mene, mu, und weg bist du. Trauriges gleitet dann ins Kindliche: Die Erzählungen aus Kindheit und Jugend werden von frechen Kinderreimen abgelöst.

Und im Hintergrund wächst der Berg der Erinnerungen (Bühne und Kostüme: Isabell Heinke), werden bunt eingewickelte Geschenkkartons zusammengetragen und mit Reliquien geschmückt – das Bild der Mutter, das Brüder-Grimm-Buch, der Indianer-Bogen. Das Leben ist so viele Erinnerungen wert, ein sehr persönliches Stück der S-Klasse. Freundlicher Applaus.

Von Juliane Sattler

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