Auch zum Abschluss zeigte die Show die bekannten Stärken und Schwächen

„Wetten, dass ..?“: Ein Ende ohne Wehmut

Lustiger Moment: Moderator Markus Lanz hilft dem siebenjährigen Paul Altmaier bei der Kinderwette. Der Junge erkannte an der Art des Leckens, welcher Hund ihm Leberwurst vom Handrücken wegfutterte.

Die 215. und letzte Sendung von „Wetten, dass ..?“ ist vorbei, aber noch längst nicht die Diskussion darüber, welche Bedeutung „Wetten, dass ..?“ eigentlich für die deutsche Fernsehunterhaltung hatte und warum die Zeit dieser Samstagabendshow abgelaufen ist

Zum Abschluss bot „Wetten, dass ..?“ noch einmal alles, was diese Sendung über fast 34 Jahre so beliebt machte. Aber auch vieles, was sie zuletzt für immer mehr Menschen nicht nur uninteressant, sondern bisweilen auch unerträglich machte.

Die Wetten 

Dass im Zentrum der Show das Staunen über die Menschen stehen soll, die zu den verrücktesten Dingen in der Lage sind - und auch an ihrer Aufgabe scheitern können -, ist im Lauf der Jahre etwas in den Hintergrund gerückt. Zum Abschluss gab’s jedoch noch einmal spektakuläre und skurrile Wetten. Am lustigsten war der siebenjährige Paul, der sich von Hunden Leberwurst vom Handrücken lecken ließ und mit verbundenen Augen erkannte („leckt zart - leckt wild“), um welches der 22 Tiere es sich handelte.

Die Peinlichkeiten 

Legendär sind die peinlichen Momente dieser Show - und auch davon bot das Finale am Samstag reichlich, etwa als Markus Lanz dem blinden Wettkandidaten Dave eine Sichtschutzbrille aufsetzte. Vielleicht tat ein gewisses Maß an Peinlichkeit der Sendung aber sogar gut - Motto: alles nicht so schlimm. Doch dass Markus Lanz das Gespräch mit dem durch einen Wettunfall gelähmten Samuel Koch zu einer triefenden Betroffenheitsshow machte, obwohl Koch ihm deutlich signalisierte, dass er das nicht wollte: Das war an Peinlichkeit schlicht zu viel.

Der Moderator 

Damit ist ein Wort zu Markus Lanz fällig: Viel gescholten, zeigte er auch in der letzten Sendung, dass es ihm an Spontaneität, an echtem Interesse an seinen Kandidaten und Gästen, ebenso auch an Herzenswärme fehlt. Doch selbst mit Mister „Wetten, dass ..?“, Thomas Gottschalk, hätte sich die Show, die zum Abschluss mit 9,27 Millionen Zuschauern fast doppelt so viele wie zuletzt mobilisierte (Quote: 32,5 Prozent), einfach überlebt.

Die Stars 

Peinlicher Moment: Schauspieler Til Schweiger (von links) begleitete den gelähmten Wettkandidaten Samuel Koch, der von Markus Lanz dann nur Betroffenheitsfloskeln zu hören bekam. Foto: dpa

Nicht nur alle Topstars waren in 33 Jahren da, es wurden auch immer mehr in jeder Sendung. Die Gäste-Couch war zum Abschied so voll, dass die meisten - Olli Dittrich ausgenommen - nur knapp abgefertigt wurden. Besonders unhöflich wirkte das bei US-Star Ben Stiller. Symptom eines Gigantismus, der auch bei den zahlreichen Rückblicken auf Wetten, Gäste und besondere Augenblicke deutlich wurde: Im Sekundentakt rauschte alles vorbei - hängen blieb wenig.

Überziehen 

So viel Kleinteiliges in die Show hineingepackt wurde, so lange dauerte sie insgesamt: dreieinhalb Stunden. Eine Stunde zu überziehen - das war nahe am 73-Minuten-Rekord.

Fazit 

Das „Wetten, dass ..?“-Finale zeigte trotz aller Versuche der Überhöhung: Eine TV-Show ist zu Ende gegangen - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Bald wird über das nächste TV-Format diskutiert werden, das noch als „Lagerfeuer der Nation“ gilt. Mein Tipp: Es wird der „Tatort“ sein.

Stimmen zur Sendung

Die letzte Sendung von „Wetten, dass ..?“ wurde bei Twitter eifrig kommentiert:

Matthias Schweighöfer: „Auch wenn es jetzt alle wahnsinnig schick finden, ,Wetten, dass ..?’ zu bashen. Ich werde die Sendung vermissen!“

Dennis Horn: „Was macht Thomas Gottschalk in diesem Moment wohl?“

Stefanie Alexandra: „Otto zieht ja immer noch mit seinen 40 Jahre alten Pointen durch die Lande.“

Hafenhexe: „Die (Katharina) Witt sieht aus wie eine Presswurst.“

Marcel Reif: „Leck zart. Bis hierhin ein ganz normaler Porno.“

Marc Etzold: „Der Moment, in dem Lanz einem Blinden eine Spezialbrille aufsetzt, damit der nichts sehen kann.“

Sitzkartoffel: „Er darf gehen! Da lacht Ben Stiller!“

Stefanie Helsper: „,Kannst du etwas Positives aus dem Unfall ziehen?’ Diese Frage an Samuel Koch sagt alles aus, was man über Lanz wissen muss.“

Michael Umlandt: „Das war ein ,Endlich müssen wir nicht mehr’. Ich hatte ein ,Toll, dass wir 33 Jahre durften’ erwartet.“

Tobias Render: „Mitarbeiter mit ,An uns hat’s nicht gelegen’-T-Shirts umarmen sich nach Sendung. Viele weinen.“

Von Werner Fritsch

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