Wetten, dass..?: Küsschen und Lob für Lanz

Am Ende bekam Moderator Markus Lanz Küsschen von Assistentin Michelle Hunziker, die einen alten Wetteinsatz einlöste und deren Präsenz einem am Samstagabend ein merkwürdiges „Wetten, dass..?“-Déja-vu-Gefühl verschaffte.

Vor 6,88 Mio. Zuschauern (was über dem Tiefpunkt der Novemberausgabe mit 6,55 Millionen lag und einen Marktanteil von 23,3 Prozent bedeutete) flüsterte sie ihm zu: „Du machst das wirklich toll.“

Tatsächlich ist, wie sich auch am Samstagabend bei der zweidreiviertelstündigen Übertragung aus Augsburg zeigte, nicht Lanz das Problem der Show, die sich ja mitunter wie Kaugummi zieht. Oder zumindest nicht allein: Es hatte schon seinen Grund, dass andere Kandidaten, Hape Kerkeling allen voran, als Thomas-Gottschalk-Nachfolger abgesagt hatten. Das sinnfreie, zeittötende Geplänkel auf dem drehbaren Sofa hatte diesmal seinen Höhepunkt darin, dass Lilly Becker, die Frau von Boris, und Hunziker ohne Übersetzung Erinnerungen daran wechselten, wie sie einst Model-Visitenkarten austauschten. Als Hunziker darüber philosophierte, dass erst die Mutterschaft dem Leben Sinn gibt und sich die kinderlose Ina Müller prompt rechtfertigen zu müssen meinte, war das schon spannender.

Diese „Wetten, dass..?“-Ausgabe, die sicher über dem Durchschnitt lag, zeigte aber auch wieder gnadenlos, was dem eigentlich ja sympathischen Markus Lanz auf der großen Showbühne abgeht: Spontaneität, Lockerheit, Witz, ein Gespür für Timing. Eben die Thomas-Gottschalk-Fähigkeiten in dessen besten Tagen.

Es ist ja nicht so, dass man als Kritiker, wie Lanz das jetzt dem „stern“ gesagt hat, wie ein Jäger wartet, bis er auf die Lichtung tritt, um ihn abzuknallen. Es tut eher weh zu sehen, wie er Gags versemmelt (Wolfgang Stumph erzählte er genau den Trabi-Witz, der dann im Einspieler nochmal kam), blöde Fragen stellt (von Bully Herbig wissen zu wollen, ob er gern ins Kino geht, ist ungefähr so, wie Jogi Löw zu fragen, ob er gern auf dem Fußballplatz steht), auf Themen beharrt, die längst durch sind, sich an falscher Stelle rechtfertigt. Oder Späße macht, die keiner versteht. Als Ex-Abba-Mitglied Björn Ulvaeus über eine in Erwägung gezogegene Wiedervereinigung von Abba sprach, grätschte Lanz dazwischen: „Vorsicht, da sitzt ein Spezialist für Wiedervereinigungen - Wolfgang Stumph.“ Wie bitte?! Wie soll denn sein schwedischer Gast da reagieren? Zu Boris Becker sagte Lanz: „Es ist auch gar nicht der Rahmen, private Dinge so auszubreiten“, um die höchst private Frage an die Patchwork-Familie anzuschließen: „Wie feiert ihr Weihnachten?“

Andererseits ist das ZDF lernfähig: Weil man weiß, dass die Zuschauer bei den Showacts umschalten, gab es diesmal nur Auftritte von Michael Bublé und Frida Gold, und die auch ungewöhnlich spät. Durch Abwesenheit glänzten auch Hollywoodstars, die sich bei „Wetten, dass..?“ meist eh nur langweilen. Mit schlagfertigen Gästen wie Michael „Bully“ Herbig, Ina Müller und Wolfgang Stumph hatte Lanz diesmal Glück, ebenso wie mit teils originellen, teils behämmerten, jedenfalls sehenswerten Wetten (bei großzügigster Regelauslegung, was den Zeitrahmen betrifft) und einer sympathischen Lokalmatadorin als Wettkönigin. Bloß Boris Becker ließ seiner Twitter-Ankündigung, eine Neuigkeit auszuplaudern, nichts folgen. Er lud sich bloß für Februar selbst wieder ein. Peinlich.

Es gab auch die „Wetten, dass..?“-Momente, die zeigen, warum diese Show einst so beliebt war und was sie lange vermochte: Über zehn Millionen Menschen aus allen Generationen vor dem Bildschirm zu vereinen. Als nämlich Erlanger Kinder am Kratzgeräusch der Kreide eine Auswahl aus 600 Lateinvokabeln erkannten, war das wirklich beeindruckend.

Die Wetten

Wettkönigin wurde Nina Kaimer. Sie zählte und sortierte Buchstaben in beliebigen Wörtern in 30 Sekunden. Friedi Kühne löschte durch „Surfen“ auf der Slackline Kerzen. Eine Klasse aus Erlangen erkannte Lateinvokabeln am Geräusch der Kreide, als ihre Lehrerin an die Tafel schrieb. Alexander Jarc sprang mit einem Jetski Rückwärtssalti in einem Hallenbad so geschickt, dass er ein Ziel in drei Metern Höhe traf. Regina Grafunder erkannte Abba-Songs an den Geräuschen, die beim Kauen von Knäckebrot durch Ehemann Ralf entstand. Daniel Peric zerteilte Tennisbälle mit einem Samuraischwert. Augsburg gewann die Stadtwette: Mehr als 25 Paare verkleideten sich als Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer.

Von Mark-Christian von Busse

Rubriklistenbild: © dpa

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