Auch Stars wie Hannah Montana können die Show aus Hannover nicht retten

Wetten, dass...? in der TV-Kritik: Die Show ist nicht integrierbar

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Thomas Gottschalk, Michelle Hunziker und Atze Schröder

Es ist schade, dass Christian Wulff dann doch nicht zu „Wetten, dass ..?“ kam. Thomas Gottschalk hatte den Bundespräsidenten im Oktober in seine Show eingeladen, aber einen Tag vor dem Gastspiel in der Tui Arena in Hannover sagte Wulff ab.

Eine Abwandlung seines berühmtesten Satzes hätte der müden Sendung gut getan: Nicht nur der Islam, auch „Wetten, dass ...?“ gehört zu Deutschland.

Im 30. Jahr seines Bestehens ist der Samstagabendklassiker eine Parallelgesellschaft im Fernsehen. Es wird nicht immer deutsch gesprochen, sondern Schwyzerdütsch (wie von Co-Moderatorin Michelle Hunziker) und Englisch (wie von den US-Gästen Denzel Washington und Miley Cyrus). Und es gibt jede Menge fragwürdige kulturelle Eigenheiten.

Gastgeber Gottschalk macht sich nicht einmal mehr die Mühe, sein Desinteresse an den Gästen zu verstecken. Als Lena Meyer-Landrut und Matthias Schweighöfer auf der Couch ihren Animationsfilm „Sammys Abenteuer“ vorstellten, fragte der Moderator, wann er in die Kinos komme - der Streifen verzückt schon seit eineinhalb Wochen die Zuschauer. Bei Denzel Washingtons Action-Spektakel „Unstoppable“ wusste er den deutschen Namen. Der Film heißt so, wie dieser Abend war: „Außer Kontrolle“. Und bei den Wetten erkannte er entweder nicht den Sieger (wie beim Rennen zwischen BMX-Fahrer und Modellbuggy) oder er verzettelte sich beim Zählen von Geldscheinen wie ein Schüler, der die Grundrechenarten nicht beherrscht.

Die besten Bilder der Show aus Hannover

Junge Gäste auf Gottschalks Sofa

Auch Gottschalks Gäste waren nicht besser: Teenie-Star Miley Cyrus alias Hannah Montana belehrte erst Lena, dass sie nie ihre Fans vergessen dürfe. Später ließ sie ein Präsent eines kreischenden Teenies achtlos auf der Couch liegen. Selbst ihr Auftritt und die Einlagen anderer Stars wie James Blunt und der spektakulären Blue Man Group konnten den Quotenabsturz nicht aufhalten.

Während 8,4 Millionen Zuschauer das ZDF einschalteten, verbuchte RTL mit Dieter Bohlens „Das Supertalent“ 7,7 Millionen. So gering war der Abstand noch nie. In der werberelevanten Zielgruppe liegt die Casting-Show ohnehin vorn. Der „Musikantenstadl“ in der ARD kam auf 3,3 Millionen Gäste am Bildschirm.

Das ZDF muss sich fragen, ob sein Klassiker noch integrierbar ist. Denn die 191. Ausgabe verstieß vor allem gegen Artikel 1 des TV-Grundgesetzes, der da lautet: Du sollst nicht langweilen. Am Ende fragte man sich, ob es nicht unterhaltsamer gewesen wäre, wenn das ZDF drei Stunden lang den 15-jährigen Turner gezeigt hätte, wie er sich auf seine Wette vorbereitete: Bevor er eine acht Meter lange Strecke auf einem Basketball balancierte, strich er minutenlang Magnesium auf seine Füße. Das war inhaltsreicher als alles andere an diesem Abend.

Von Matthias Lohr

Die Wetten: Ein 74-Jähriger wird Wettkönig

Basketball: Der 15-jährige Stefan Miedl balancierte eine acht Meter lange Strecke auf einem Basketball.

Modellbuggy: Stefan Nistelberger steuerte ein ferngesteuertes Auto schneller durch einen Cross-Parkours als ein BMX-Profi sein Rad.

Kakteen: Andreas Malzan erkannte Kakteen mit der Zunge. Grandioser Quatsch.

Weitsprung: Roland Kirchler versuchte, eine Rampe so anzuheben, dass sein Kumpel mit einem Motorrad eine bestimmte Weite springt. Ging daneben.

Geld: Die Chinesin Jingbo Fan zählte innerhalb kürzester Zeit mehrere Geldstapel durch. Unglaublich.

Bus: Peter Sauer balancierte einen Bus mit Passagieren auf einer Wippe. 1983 war es schief gegangen.

Kerzen: Nico Haddad (74) versucht, in zwei Minuten 1000 Kerzen auszupusten, verliert knapp, wird aber Wettkönig. Hier glänzt Gottschalk. Über die Kerzen scherzt er: „So sieht eine Geburtstagstorte von Jopi Heesters aus.“ (mal)

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