Wider den Klassik-Überdruss: Jugendsinfonieorchester Kassel

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Beherzt: Mitglieder des Jugendsinfonieorchesters Kassel in der Waldorfschule.

Kassel. Dunkel war es in der voll besetzten Aula der Freien Waldorfschule. Pathosschwere Akkorde der Blechbläser und Paukenwirbel ertönten. Es war der Beginn der sinfonischen Dichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius.

Und der Einstieg in den herbstlich-romantischen Abend mit dem Jugendsinfonieorchester Kassel.

Wieder einmal setzte das Orchester, das jedes Jahr im Frühling und im Herbst an vier Wochenenden für Proben und Konzerte zusammenkommt, ein starkes Zeichen gegen den Klassik-Überdruss. Ein großes Lob gebührt dabei auch dem Dirigenten Kiril Stankow für seine präzise, energische Schlagtechnik. Die Musik bekam Spannung und klare Konturen.

Prächtig klappten nach dem düsteren Beginn die hymnischen Aufschwünge in der patriotischen Tondichtung von Sibelius. Darauf folgte ein diffiziles Werk, und zwar Sergej Rachmaninows „Die Toteninsel“, inspiriert von dem gleichnamigen Gemälde des Schweizers Arnold Böcklin: Ein Kahn mit einer weiß verhüllten Gestalt steuert auf eine Felseninsel zu.

Die Musiker malten eine morbide Stimmung, beginnend mit dem „Meer“-Thema im unregelmäßig wogenden 5/8-Takt, und spielten dann große Steigerungen heraus. Nach der Pause blieb man programmatisch im Osten, denn es erklang die 2. Sinfonie von Tschaikowsky, die sogenannte „Kleinrussische“ mit ihrer Fülle an ukrainischen Volksmelodien.

Bravos gab es für die beherzte Wiedergabe, die mit tollen solistischen Leistungen begonnen hatte: Julius Rath (Horn) und Maximilian Bartel (Fagott) intonierten ein wunderbar schwermütiges Wolgalied.

Von Georg Pepl

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