Klassikstar Nils Mönkemeyer über seinen Auftritt in Kassel

Nils Mönkemeyer hat der Bratsche, der größeren Schwester der Violine, zu Popularität verholfen. Ein Gespräch mit einem Klassik-Virtuosen mit Star-Appeal.

Herr Mönkemeyer, Ihre neue CD „In dunklen Träumen“ ist Robert und Clara Schumann sowie Johannes Brahms gewidmet. Was war Ihre Idee bei der Zusammenstellung?

Nils Mönkemeyer: Vor allem ging es mir um die interessante Dreier-Konstellation zwischen Robert Schumann, Brahms und Clara Schumann. Da gibt es ja viele Gerüchte. Heute wäre das eine Geschichte für die Yellow Press. Da haben wir das an Wahnsinn grenzende Genie von Schumann, dann Clara Schumann, eine moderne Frau, die als Pianistin Geld verdient und auch komponiert hat. Und Brahms als junger Freund der Familie, der jahrelang in Clara verliebt war.

Sie spielen vor allem Lied-Transkriptionen. Warum?

Mönkemeyer: Ich denke, dass man in den Liedern viele Querverweise findet. Zum Beispiel ist Brahms’ Lied „Wie bist du meine Königin“ eine Liebeserklärung an Clara. Gleichzeitig wollte ich auch ein Repertoire spielen, bei dem ich zeigen kann, wie schön das Instrument Bratsche singen kann.

Ihre CD enthält 28 Tracks. Kommt das dem Hörverhalten heutiger Hörer entgegen, die kurze Stücke hören wollen?

Mönkemeyer: Es ist natürlich so: Ich spiele Bratsche, und viele Leute sagen: „Äh, was ist das?“ Und da ist es wichtig, Stücke zu nehmen, die eine breitere Masse ansprechen. Bis ich auch die größeren und spezielleren Sachen aufnehme, möchte ich noch bekannter werden. Diese CD ist der Versuch, in eine etwas andere Richtung zu arbeiten, und es funktioniert: Zum ersten Mal ist die Bratsche als Instrument in den Klassik-Charts.

Das Cover Ihrer CD hat Ähnlichkeit mit der Ästhetik von Twilight-Filmen. Erreichen Sie damit ein jüngeres Publikum?

Mönkemeyer: Ich habe keine Ahnung, wer genau meine CD kauft. Generell ist der Klassikmarkt in einer Phase, wo nicht mehr ein Aquarell-Gemälde das Cover ziert, sondern die Künstler als Personen zum Grund gemacht werden, die CD haben zu wollen. Die Leute kaufen auch nicht die CD, weil sie nichts von Schumann haben. Wir nähern uns in der Vermarktung dem Pop an.

Im Kasseler Schlosskonzert spielen Sie mit drei erfolgreichen jungen Kollegen: dem Geiger Andrej Bielow, dem Cellisten Nicholas Altstädt und Markus Becker am Klavier. Ist das eine feste Konstellation?

Mönkemeyer: Wir haben zwar kein festes Ensemble, dafür sind wir alle solistisch zu beschäftigt. Aber wir spielen ein- bis zweimal pro Jahr einige Konzerte zusammen. Einfach weil die Besetzung ganz toll funktioniert.

Außer Mozart haben alle Komponisten in diesem Konzert einen Bezug zu Kassel: Hugo Staehle, Otto Dessoff und Gustav Mahler. Zufall?

Mönkemeyer: Nein, das war natürlich Absicht. Das Programm ist in Zusammenarbeit mit Susanne Schaeffer vom HR entstanden, die sich sehr gut auskennt mit den Komponisten aus dem Kasseler Umfeld. Ich freue mich total auf Hugo Staehle, weil das ein tolles Stück ist und wirklich verdient, gespielt zu werden.

Was gefällt Ihnen am Spohr-Schüler Staehle, der ja nicht mal 22 Jahre alt geworden ist?

Mönkemeyer: Eben das finde ich schon sehr faszinierend. Wenn ich mir überlege, was ich geschafft hatte, bis ich 22 war! Die guten Dinge kamen alle später. Also, das Stück ist sehr brillant, sehr groß angelegt und hat sehr schöne Melodien, die Instrumente sind ganz intensiv verwoben.

Sie spielen auch Mahlers einziges Kammermusikstück. Was trägt dieser Klavierquartettsatz zu unserem Mahler-Bild bei?

Mönkemeyer: In seinen Sinfonien hat Mahler sehr viel Pathos, Ironie und auch viele Volksliedanklänge. Das Quartett knüpft sehr an die deutsche Romantik an und hat noch nicht den besonderen Mahler’schen Tonfall, den man von den Sinfonien kennt. Aber das Quartett gehört zu meinen absoluten Lieblingsstücken. Es ist wie eine ewig währende Melodie, in der man baden kann. Das ist ganz, ganz schön.

Nils Mönkemeyer tritt mit einer Klavierquartett-Besetzung am Samstag, 7.8., 20 Uhr, und am Sonntag, 8.8., 17 Uhr beim HR-Schlosskonzert im Ballhaus von Schloss Wilhelmshöhe, Kassel, auf. Karten bei Bauer & Hieber, Tel. 0561 / 91 888 61.

Mönkemeyers CD „In dunklen Träumen“ mit dem Pianisten Nicholas Rimmer ist bei Sony Classical erschienen.

Von Werner Fritsch

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