TV-Kritik

„Wie im Märchen“ - Bettina Fraschke über den hessischen „Tatort“

HNA-Redakteurin Bettina Fraschke

Ulrich Tukur ermittelt in seinem dritten HR-„Tatort“ als Felix Murot im Zirkus. Eine TV-Kritik von HNA-Kulturredakteurin Bettina Fraschke.

Okay, wir haben die Botschaft verstanden: Ulrich Tukur will sich nicht komplett ins übliche „Tatort“-Gefüge eingliedern. Das machten der Anfangs- und Schluss-Gag in der HR-Folge „Schwindelfrei“ mehr als deutlich. Nette Idee als Klammer für eine hübsche Folge, die dann doch nicht so aus dem Rahmen des „Tatort“-Üblichen fiel wie Tukurs „Das Dorf“ zuvor im Edgar-Wallace-Stil, der wegen seiner manirierten Gruseleffekte äußerst gewöhnungsbedürftig war.

Justus von Dohnányi setzte als Autor und Regisseur nun auf Nostalgie und ein eher gemütliches Erzähltempo ohne Hochspannung. Dem Thema Kosovokrieg und seine Folgen bis in die hessische Gegenwart hätte man deutlich mehr Gewicht gewünscht. Aber hier ging es spürbar um die Verpackung. „Schwindelfrei“ sah aus wie ein opulenter Märchenfilm. Dass Zirkusleute wirklich dachten, LKA-Mann Felix Murot (Tukur) sei ein arbeitsloser Musiker, der ohne Hintergedanken bei ihrer Kapelle anheuert, ist schon mal eine Prämisse, die man nicht hinterfragen sollte. Ebenso, dass der malerisch-schrullige Artistentrupp weitgehend ohne Handy und Fernseher lebt, teils in bohèmehaften Wagen mit Samt und Perlenvorhängen. Nun, „Tatort“ muss ja nicht immer Sozialstudie sein.

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