Wieder in Kassel: Mozarts „Titus“ mit Rezitativen von Trojahn

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Mit der Femme fatale ist nicht zu spaßen: Nina Bernsteiner als Vitellia (links) mit Ulrike Schneider als Sextus.  

Kassel. Bei der Wiederaufnahme von „La clemenza di Tito“ im Kasseler Opernhaus hieß es erneut: Klassik wird mit Moderne konfrontiert. Denn neben Mozarts Musik gibt es die neuen Rezitative des zeitgenössischen Komponisten Manfred Trojahn.

Ein Sakrileg? Keineswegs. Die ursprünglichen Secco-Rezitative (also die „trockenen“, vom Cembalo begleiteten Rezitative) stammen von einem Helfer, vermutlich Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr, und gelten als arg konventionell. Diesen Formalismus bricht Trojahn mit einer brodelnden Tonsprache auf, wenn er die Geschichte um Herrschermilde und die Irrungen der Liebe auf heutige Weise illustriert.

Der Dirigent Alexander Hannemann führt sicher durch die frappierenden Stilwechsel. Bei beiden Komponisten zeigen die Musiker des Staatsorchesters auch solistische Stärke, allen voran Sabine Neher (Klarinette) und Martin Rau (Bassetthorn). Den Kaiser Titus charakterisiert Trojahn mit schwirrenden Tongirlanden im Cembalo - eine reizvolle Aufgabe für Walewein Witten.

Äußerst karg hat Johannes Schütz inszeniert. Orchester und Chor befinden sich auf der Bühne, während die Sänger darüber in einem Schaukasten agieren. Immerhin: Man kann bei dieser Beschränkung das Ensemble sehr direkt erleben.

Fast die komplette Premierenbesetzung ist wieder dabei: Tomasz Zagorski (Titus) überzeugt mit klarem Tenor und dem Mut zu leisen Tönen. Nina Bernsteiner gibt ein intensives Porträt der „Femme fatale“ Vitellia. Hinzu kommen die bewährten Maren Engelhardt (Annius), Ingrid Frøseth (Servilia) und Igor Durlovski (Publius).

Neu ist die Mezzosopranistin Ulrike Schneider in der aufregenden Rolle des Sextus, der aus Hörigkeit zu Vitellia ein (missglücktes) Attentat auf seinen Freund Titus begeht. Schneider singt wohltönend wie expressiv - und bekommt sehr viel Beifall im nicht ganz vollen Opernhaus.

Weitere Termine: 11. und 20. Mai sowie 3. Juni. Karten unter 0561/1094-222. www.staatstheater-kassel.de

Von Georg Pepl

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