Kunstmuseum Wolfsburg

Die Wiederholung in der Kunst: 70 Künstler in der Endlosschleife

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Ein Stück Unendlichkeit: Im „Infinity Mirrored Room“ von Yayoi Kusama fühlt man sich wie der Kapitän eines Raumschiffs. 

Wolfsburg. Ohne Anfang und Ende: „Never Ending Stories“ heißt eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, die sich mit den Loops, also den Endlosschleifen beschäftigt.

Dinge wiederholen sich, wie in Max Beckmanns Gemälde von 1949, der ins Unendliche reichende Vervielfachung des Spiegelbilds im Spiegelbild. Und vieles kreist um den Kreis: die Zeit, das ganze Sein – immer wieder als Schlange, die sich selbst verschlingt. Faszinierende und auch einige beängstigende Bilder und Erlebnisse liefert die Ausstellung aus den Bereichen Kunst, Film, Architektur, Musik, Literatur und Kulturgeschichte ihren Besuchern. Sind wir gefangen in der Wiederkehr des Gleichen? Wie bei Andy Warhols unendlichem „Kiss“ oder der rundlaufenden Monotonie in Stanley Kubricks Film „2001“?

Es geht um weit mehr als um Kreisverkehr: Der Bogen der Schau spannt sich von einer Schatzkammer der Kulturgeschichte über den „Zen“-Saal bis hin zur quadratisch verspiegelten „Music Hall“. Je länger man hinschaut, um so mehr entdeckt man. Ordnung. Rhythmus. Struktur. Stille.

Endlosschleife: Gregor Schneider reiht ein Bad ans nächste.

Die Schau entführt auch in einen realen Albtraum: Man kann durch weiße Türen gehen, um in eine Art räumliche Endlosschleife zu gelangen – in kleine Badezimmer ohne jeglichen persönlichen Charakter. Von Tür zu Tür 21 exakte Wiederholungen des Badezimmers und immer gleich klingendes Wassertropfen. Spätestens als man das zehnte Badezimmer betritt, glaubt man im Kreis zu laufen. Gefangen zu sein in der Wiederholung. Immerhin: Es gibt Notausgänge in Gregor Schneiders 500 Quadratmeter einnehmende Installation „Bad“. Erlebbare Endlosschleifen gibt es einige in der Schau, bei der sich 70 Künstler mit dem Loop beschäftigen. Ein völlig gegensätzliches Erlebnis zum irre machenden Badezimmer-Parcours liefert der „Infinity Mirrored Room“ von Yayoi Kusama – Hunderte von bunten LED-Leuchten, die von der Decke hängen und rhythmisch flackern, erzeugen ein verwirrend faszinierendes Universum, bei dem man mit sich ganz allein ist. Denn nur einzeln darf man die Raum-im-Raum Konstellation betreten und sich für einen Moment der Unendlichkeit nahe fühlen – wie der Kapitän eines Raumschiffs.

Beißt sich selbst: Michael Meiers „Atalanta Fugiens“.

Eine der ältesten nie endenden Geschichten ist der sich schließende Kreis. Spätestens seit der Antike erscheint er häufig als Ouroboros - griechisch für „Schlange, die sich in den Schwanz beißt“. Im vorchristlichen Ägypten verkörpert der Ouroboros den Mythos des Sonnenlaufs und ist damit die älteste „Never Ending Story“ der Kulturgeschichte. Ein Symbol der in sich kreisenden Unendlichkeit und Ewigkeit, das durch die Jahrhunderte und Weltkulturen wandert – bis hin zur Märchen-Schlussformel: „Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ und dem Geräusch einer hängenden Schallplatte. Eine Ausstellung mit Unterhaltungswert, die man sich immer wieder ansehen kann.

Bis 4.3., Hollerplatz 1. www.kunstmuseum-wolfsburg.de

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