Der Kasseler Kunstverein zeigt Design und Modefotografien der Fünfziger- und Sechzigerjahre

Die Wiege der Klassiker

Kassel. Jeder kennt sie, und mancher nutzt sie sogar jeden Tag: die Perlenflasche von Günter Kupetz. Dass der Klassiker unter den Glasbehältnissen in Kassel entworfen wurde, weiß hingegen kaum jemand.

Von 1962 bis 1974 war der Industriedesigner in Nordhessen tätig, unterrichtete an der Werkkunstschule Kassel. Seine Perlenflasche ging von dort aus in alle Welt - und ist nun an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. Im Kasseler Kunstverein stehen zurzeit sogar 4000 Exemplare. „Back to Kassel“ stellt drei Industriedesigner und einen Modefotografen vor, die enge Verbindungen zur documenta-Stadt haben. „Der Fokus liegt auf den Fünfziger- und Sechzigerjahren“, sagt Werner Demme, der die Ausstellung mit Jürgen O. Olbrich konzipiert hat. Zu dieser Zeit waren die Designer in Kassel tätig. Manche wie Kupetz blieben länger, für andere war Kassel nur eine Durchgangsstation.

Peter Raacke, Jahrgang 1928, lebte von 1958 bis 1963 in Nordhessen. Eine relativ kurze Zeit, in der der Industriedesigner aber mehrere Produktklassiker geschaffen hat. Das Besteck „mono-a“ ist dank seiner reduzierten Form noch immer aktuell. Und seine Möbel aus Wellpappe, die in den Sechzigerjahren der Inbegriff einer neuen Mobilität waren, dienen in der Ausstellung als originelle Sitzgelegenheiten.

Zurück in Kassel sind auch Arbeiten von Jupp Ernst (1905-1987), der wohl vielseitigste der Herren. Er entwarf Keramiken nach japanischem Vorbild, Kaffee- und Teeservices, und zur documenta III organisierte er die Sonderschau „Industrial Design und Graphik“. Ernst entwickelte zudem Signets namhafter Firmen. Der Schriftzug, den die Firma Melitta noch heute verwendet, stammt aus seiner Feder.

Weit mehr als Modefotografien sind die Arbeiten von F.C. Gundlach, Jahrgang 1926. Sie dokumentieren den Wandel von Kleidung und Schönheitsidealen „Die Sechzigerjahre waren für mich die wichtigste Dekade“, sagt der Fotograf, der unter anderem für „Brigitte“ arbeitete. Sie seien die Zeit der politischen Veränderung, der Beatles und der Emanzipation gewesen.

Gundlach fotografierte den ersten Minirock, die ersten Prêt-à-porter-Modelle und selbstbewusste Frauen. „Ich habe viele Impulse aus der Grafik übernommen“, erklärt Gundlach. Seine Arbeiten sind daher stets reduziert auf das Wesentliche: auf starke Posen.

Bis 27. Juni im Kasseler Kunstverein, Fridericianum, Friedrichsplatz 18, mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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