Wiener Feuerwerk: Jansons belebt das Neujahrskonzert

Gestaltete das Konzert sehr intensive: Der lettische Dirigent Mariss Jansons (72). Archivfoto: dpa

Wien. Im Vorjahr war das Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern eine dröge Angelegenheit. Die jüngste Auflage aber machte der lettische Dirigent Mariss Jansons zum Ereignis.

In Zeiten voller Veränderungen sendet das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am Vormittag des 1. Januar eine Botschaft der Beständigkeit in alle Welt - in diesem Jahr waren es mehr als 90 Länder, in die das Ereignis live übertragen wurde.

Doch trotz des stets gleichen äußeren Rahmens - festlich geschmückter Goldener Saal des Wiener Konzertvereins, Musik aus dem Umfeld der Familie Strauß - unterscheiden sich die Konzerte atmosphärisch deutlich. Nach dem von Zubin Mehta dröge herunterdirigierten Konzert des Vorjahrs war das diesjährige Konzert unter der Leitung des lettischen Dirigenten Mariss Jansons ein feuriges, in Teilen auch besinnliches Gegenstück.

Ein besonderes Signal in unruhiger Zeit war der Besuch von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon in Wien. Er wurde mit dem Uno-Marsch begrüßt, den der Operettenkönig Robert Stolz 1962 zu Ehren der Vereinten Nationen komponierte.

Die folgenden zweieinhalb Stunden - unterbrochen nur von einem musikalischen Filmporträt Salzburgs - gestaltete Jansons, der das Klassik-Topereignis zum dritten Mal nach 2006 und 2012 leitete, derart intensiv, dass mancher sich unsanft aus dem nachsilvesterlichen Dämmer gerissen fühlen konnte.

Auch die Programmauswahl zeigte die Handschrift des Dirigenten. Schnelle Polkas wie der „Vergnügungszug“ von Johann Strauß (Sohn) und das aparte Gegenstück von Bruder Eduard Strauß, „Mit Extrapost“, wechselten sich ab mit ungewöhnlichen Stücken wie dem Walzer „Weaner Madl’n“ von Carl Michael Ziehrer, dessen volkstümlichen Einschübe samt einer vom ganzen Orchester (und dem Dirigenten) gepfiffenen Melodie für Vergnügen sorgten.

Auch die Wiener Sängerknaben hatten auf Wunsch des Dirigenten mit der Polka „Sängerslust“ einen Gastauftritt. Weitere Höhepunkte waren der Walzer „Sphärenklänge“ und die Polka „Die Libelle“ von Josef Strauß und die von den famosen Wiener Philharmonikern äußerst delikat gespielte „Ball-Szene“ von Josef Hellmesberger.

Kein Wiener Neujahrskonzert geht ohne das „Prosit Neujahr!“ der Musiker und des Dirigenten zu Ende - natürlich auch nicht ohne die Klassiker „Kaiserwalzer, „An der schönen blauen Donau“ (beide Johann Strauß, Sohn) und den rhythmisch mitgeklatschten Radetzkymarsch (Johann Strauß, Vater). Die allerdings werden längst nicht immer so engagiert gespielt wie in diesem Jahr. Die in wenigen Tagen erscheinende Konzert-CD ist diesmal also einen Kauf wert.

Von Werner Fritsch

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