Die Irin Wallis Bird rockte das Kulturzelt am Freitag

Wild und authentisch

Druckvoll: Sängerin Wallis Bird. Foto: Fischer

KASSEL. Wahnsinn, was hat diese Frau für eine Energie. Dachte wohl jeder am Freitag im sehr gut gefüllten Kulturzelt: Wallis Bird versprühte eine wilde Lebensfreude und begeisterte mit ihrer Authentizität. Eine Künstlerin, die das Gegenteil von Plastikpop verkörpert.

Wallis Bird drischt auf die Gitarren ein, sodass der Roadie, der ihr die Instrumente bringt, gut zu tun hat. Sie singt sich die Seele aus dem Leib, mal explosiv, mal flüsternd. Sie tanzt. Sie schüttelt das Haar. Sie spricht Denglisch in den Ansagen: „Wir sind unterwegs seit forever. And here we are heute. Erster Superwitz, ha.“

Kein Superwitz ist es, dass die irische Songwriterin in Berlin lebt. In einem Interview sagte sie einmal, London könne eine Menge von Berlin lernen, da London eine kalte, prätentiöse Stadt sei, wo man als Erstes nach seinem Lebensunterhalt gefragt werde.

Diese gesunde Aufsässigkeit kommt auch rüber in „I Can Be Your Man“, als sie gegen einengende Gender-Rollen ansingt, gegen die etablierte Vorstellung, wie Frauen und Männer zu sein haben. Ein dynamisch kontrastreicher Song, soulig und funky, ein starkes Stück.

Von rockiger Geradlinigkeit bis zu kleinen Experimenten reicht die Bandbreite in rund 100 Konzertminuten. Die Brüder Christian (Schlagzeug, Beatbox) und Michael Vinne (Bass) sowie Emma Greenfield (Trompete) und der schlaksige Multiinstrumentalist Aidan sind eine druckvolle Band. Die Leute klatschen, lassen sich zum Mitsingen animieren, können nicht genug kriegen von Wallis Bird.

Zuletzt singt sie mit einem Glas in der Hand ihre folkige Ballade „In Dictum“. Sie klopft sich dabei beschwörend auf die Brust: „But the more you hold on to me / The less you can have of me“ - Aber je mehr du an mir festhältst, umso weniger kannst du von mir haben.

Von Georg Pepl

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