Mit Electropop macht sich Ira Atari deutschlandweit einen Namen

Kasselerin Ira Atari: Der wilde Vogel singt

Für eine Pop-Prinzessin ist Ira Göbel gar nicht so wild. Wenn die Kasseler Musikerin auf Tour ist und die anderen nach dem Konzert noch um die Häuser ziehen, geht sie lieber ins Bett. Die 33-Jährige macht sehr tanzbare Clubmusik zwischen Pop, House und TripHop, aber anstatt zu feiern bastelt sie lieber an neuen Songs.

Während die Stars und Sternchen der Branche in Berlin zu Hause sind, hat sich Göbel ein Studio in Zierenberg nordwestlich von Kassel eingerichtet. Inspiration findet sie beim Spazierengehen am Dörnberg im Habichtswald. Und wenn man sie zum Interview trifft, bestellt sie Fanta. „Ich bin nicht so der extreme Typ“, sagt Göbel, die von einem Schweizer Internet-Portal gerade als „deutsche Electro-Prinzessin“ gefeiert wurde.

Das liegt vor allem an ihrer Musik, die einerseits fantasüß klingt, andererseits aber sehr viel länger wirkt als eine Limo. Früher wurde sie als deutsche Antwort auf Portishead charakterisiert, aber die zwölf Songs, die sie nun als Ira Atari auf ihrem Debütalbum „Shift“ veröffentlicht, klingen, als wären die schrille Lady Gaga und die isländische Elfe Björk gemeinsam im Studio gewesen. Eingängige Melodien treffen auf wilde Computerbeats und ungewöhnliche Samples sowie eine sehr schöne, klassisch geschulte Stimme.

Klingt sehr international

Das Fachmagazin „Intro“ hat das Album bereits von einigen Prominenten wie dem Schauspieler Tom Schilling testen lassen. Alle waren angetan. Die Musiker der schwedischen Alternative-Band Johnossi waren total überrascht, als sie erfuhren, dass da eine Deutsche singt: „Klingt sehr international.“

Trotzdem ist Ira Atari vor allem eine nordhessische Erfolgsgeschichte. Aufgewachsen ist sie in einer Kommune in Zierenberg, an der Kasseler Musikakademie hat sie Musik mit dem Hauptfach Klavier studiert. Zuletzt hat sie in der Fuldametropole als freie Musiklehrerin unterrichtet. Sie mag Bach und Kraftwerk gleichermaßen. Nun setzt sie alles auf ihre eigene Musik. „Shift“ erscheint beim angesagten Hamburger Label Audiolith, das sich mit Electropunk-Formationen wie Frittenbude und Egotronic einen Namen gemacht hat.

Konzerte von Audiolith-Bands sind pure Ekstase. Ira erweitert das Spektrum um eine sensiblere Seite. In der Hit-Single „Don’t Wanna Miss You“ erzählt Ira vom Liebesaus mit ihrem Freund und dem Gefühl, nicht loslassen zu können. In „Back To Zero“ geht es um einen Neustart. Vielleicht ist die Beziehung doch noch nicht am Ende.

Ihre Karriere hat gerade erst begonnen. Reich wird Göbel mit ihrer Musik wahrscheinlich nicht, aber die Einnahmen aus den Konzerten reichen zum Leben: „Ich brauche keine teure Wohnung.“ In „No Deal“ singt sie: „I’m a wild bird.“ Der Song geht auf das Volkslied „Es saß ein klein wild Vögelein“ zurück, das Göbel früher gern gesungen hat. Es wäre eine schöne Geschichte, wenn aus diesem wilden Vogel noch eine Pop-Prinzessin für Tausende würde.

Die Single „Don’t Wanna Miss You“ ist bei Audiolith erschienen. Das Album „Shift“ folgt am 18. März. Ab 11. März ist Ira Atari auf Deutschland-Tour, am 19. März macht sie Station in Kassel (Ort wird noch bekannt gegeben).

www.iraatari.de

Von Matthias Lohr

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