Wildecker Herzbuben sind jetzt Musical-Stars im Wilden Westen

Unter der Galgenschlinge: Wolfgang Schwalm (Mitte) und Wilfried Gliem (rechts) finden sich im Musical „Cat Ballou“ im Wilden Westen wieder. Foto: Breitbart

Dresden. Die Wildecker Herzbuben gelten stets als Inbegriff volkstümlicher Gemütlichkeit - doch in ihrem größten Hit „Herzilein“ findet sich die prophetische Zeile „Ich könnte irgendwo an irgendeinem Zipfel der Welt sein“. Jetzt sind die beiden Nordhessen im Wilden Westen gelandet.

Im Dresdner Privattheater Comödie stehen sie in einer Musicalversion des Oscar-gekrönten Westerns „Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming“, in dem einst Jane Fonda und Lee Marvin glänzten, auf der Bühne.

Regisseur und Autor Alexander G. Schäfer, gelernter Opernregisseur und langjährige Kabarettist bei den Berliner Stachelschweinen, präsentiert sich dabei als Meister des tiefsinnigen Humors: Er verlegt die Handlung vor die Tore der sächsischen Landeshauptstadt, schießt mit scharfen Pointen auf die Gegenwart und hat für das nordhessische Volksmusikduo eine maßgeschneiderte Rolle kreiert.

Der Inhalt des Stückes, das am vergangenen Wochenende vor 700 begeisterten Zuschauern Premiere feierte, orientiert sich in weiten Bereichen am Hollywood-Klassiker. Die prüde wirkende Cat Ballou kommt nach Jahren in der Ferne auf ihre heimatliche Ranch zurück. Dort erlebt sie, wie ihr Vater - weil er sein Land nicht verkaufen wollte - ermordet wird. Die junge Lehrerin sinnt auf Rache und engagiert den in die Jahre gekommenen, alkoholabhängigen Revolverhelden Kid Shelleen.

Aktuelle politische Probleme

Anders als im Original, in dem die Eisenbahngesellschaft auf der Jagd nach neuen Grundstücken ist, stellt Schäfer den Missbrauch von Subventionen in den Vordergrund und weist damit auf aktuelle politische Probleme hin.

Doch der Regisseur versteckt in seinen witzigen Elementen nicht nur den erhobenen Zeigefinger. Immer wieder verschmelzen plötzlich zwei Jahrhunderte scheinbar mühelos zu einem Moment ineinander - Lacher vorprogrammiert. So schleicht zum Beispiel eine Parodie von Olli Dittrich alias Dittsche im Bademantel durch den Saloon, und ein Cowboy spricht über Prostata-Operationen.

Omnipräsent in diesem facettenreichen Western erscheinen die Wildecker Herzbuben, die sich als Tragsäule des Humors entpuppen. Dass die Volksmusiker Wilfried Gliem und Wolfgang Schwalm Schauspiel-Novizen sind, fällt nicht auf. „Die Umstellung auf die Theaterbühne war kein großes Problem. Denn ich fühle mich nicht als Darsteller, sondern als Musiker in einer Komödie“, sagte Gliem nach der Premiere.

Bänkelsänger zwischen den Szenen

Zusammen mit seinem Partner Wolfgang Schwalm erzählt er als Bänkelsänger Teile der Handlung und erleichtert den Zuschauern die Übergänge zwischen den Szenen. Dieser Part wurde für die Dresdner Inszenierung erfunden - als Wildecker Herzbuben. Das Duo singt zahlreiche Lieder der letzten 50 Jahre, darunter Udo Jürgens’ „Ich war noch niemals in New York“ und „Night Fever“ von den Bee Gees.

Und als das Duo gegen Ende die verzweifelte Cat wegen einer scheinbar gescheiterten Liebe tröstet und dazu „Herzilein“ anstimmt, herrscht schunkelnde Ausnahmestimmung im Publikum.

„Cat Ballou“ läuft noch 25 Mal bis zum 10. Juni in der Dresdner Comödie. Kartentelefon: 0351 / 86 64 10. www.comoedie-dresden.de

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