Das Tingvall Trio gab Vollgas im Musiksaal der Uni Kassel - Viel Spaß, Können und Engagement

Die Wildwasser-Kanuten des Jazz

Konzentriert: Pianist Martin Tingvall beim Auftritt in Kassel. Foto:  Socher

Kassel. Pianist Martin Tingvall ist eher der Wildwasser-Kanut als der Schachspieler unter den Jazzmusikern. Er liebt die Geschwindigkeit und die Präzision, das Spektakel und die Show.

Er ist jung, dynamisch und expressiv. Endlich mal jemand, der es in diesem Genre krachen lässt, sagen die einen. Aber es gibt auch Stimmen, die behaupten, dass in einer Parkbank mehr Leben steckt als in zehn Tingvall-Kompositionen. Das vom Kulturzentrum Schlachthof und Roman Beilharz organisierte Konzert im Musiksaal der Universität jedenfalls begeisterte. Und daran hatten auch die Mitmusiker von Tingvall großen Anteil.

Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo arbeitete souverän im Hintergrund, hatte aber über die wuchtige Klangeinstellung seines Instrumentes jederzeit die Möglichkeit, sich den Platz für aussagekräftige Soli zu verschaffen.

Ungewöhnlich für ein Jazzkonzert war, dass man Schlagzeuger Jürgen Spiegel hinter Plexiglaswänden agieren ließ. Doch man wollte der Raumakustik wegen auf Nummer sicher gehen. Mit seinem Timing und dem Gespür für Akzente wüsste er wahrscheinlich auch in einem dunklen Kohlenkeller zu begeistern. Das schöne an Tingvall-Songs ist, dass sie auch so klingen, wie sie heißen.

Bei „Grrr“ beißt man sich funky durch spärliche Harmonik und bei der „Angst vor dem Hai“ flüchtet man mit dramatischer Virtuosität bis zum Schlussakkord. Den mit rasanten Improvisationen beschriebenen Schnurrbart möchte man sich ständig glatt streichen. Und Tingvall bringt den Flügel mit Kraft und Begeisterung bis zur Pause schon in den Zustand des Nachstimmens. Ein Beweis, dass sich da Musiker mit viel Spaß, Können und Engagement auf die Strecke begaben. Wildwasser-Kanuten halt, die für ihre Performance mächtig Applaus bekamen.

Von Andreas Köthe

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