In der Christuskirche

Bachs „Matthäus-Passion“ erzeugte eine andächtige Stimmung

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Große Zahl an Mitwirkenden: Chor, Solisten und Orchester unter Leitung von Martin Bartsch in der Christuskirche.

Kassel. Es gibt kein Musikwerk der abendländischen Musikgeschichte, das in der Empfindung der Mitwirkenden und der Zuhörenden so nahe an einer religiösen Handlung ist wie Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“.

Von den ersten Worten „Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“ bis zu den letzten „sanfte ruh!“ herrscht andachtartige Stimmung, die sich nach dem Ende auch nicht oder nicht gleich im irdischen Beifall entladen darf. Bei der Aufführung am Sonntagabend in der Christuskirche lösten die Glocken die Musik Bachs ab, erst danach setzte lang anhaltender Beifall in der fast voller Kirche ein.

Es war eine gelungene Darbietung in guter evangelischer Kantoreitradition. Der von Stephan Herrmann vorbereitete Chor Vox humana Kassel mit Vokalensemble und im ersten Teil dem Jugendchor bekamen den letzten Schliff in intensiven Probenphasen mit Martin Bartsch, dem emeritierten Landeskirchenmusikdirektor der Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Bartsch leitete auch die dreistündige Passion und tat dies mit der ganzen Erfahrung seiner langen beruflichen Zeit als Kirchenmusiker: organisch, oft leicht schwingend, das Große im Auge, das Kleine nicht vernachlässigend. Anfangs hatte er die einzelnen Nummern ohne Unterbrechung dirigiert, was dem Ganzen den Eindruck einer durchkomponierten Oper verlieh. Der fast sechzig Stimmen umfassende Chor sang zunehmend freier und mit dem Willen zum Großen, das vielleicht am Ende mit dem letzten Satz „Wir setzten uns“ am besten gelang.

Das Orchester aus Musikern des Staatsorchesters und des Kammerorchesters Louis Spohr bot ein üppiges und sicheres Fundament. Bei den fünf Gesangssolisten wechselten sich Licht und Schatten ab, auch bei derselben Person im Laufe des Abends.

Eine aufsteigende Kurve zeigten Diana Schmid (Alt) und Dirk Schmid (Bass), während Christina Wieland (Sopran) schon am Anfang ihre beste Form zeigte. Der viel beschäftigte Evangelist Reiner Geißdörfer hatte immer wieder mit der Intonation zu kämpfen, Florian Rosskopp (Bass) sang die Jesus-Worte routiniert, doch ohne Strahlkraft.

Von Johannes Mundry

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