Meister der deutschen Sprache

Willy Astor: Ich betreibe Handwerk mit dem Mundwerk

Willy Astor tritt am Samstag, 26. Januar, in der Stadthalle Kassel auf. Foto: Bogdahn

Als Reimakrobat ist Willy Astor ein Meister der deutschen Sprache und in der Champions League zu Hause. Von dem Münchner Kabarettisten und Musiker stammt die Vereinshymne des FC Bayern München („Stern des Südens“). Ein Interview.

Wir sprachen mit dem 52-Jährigen vor seinem Auftritt am 27. Januar in der Kasseler Stadthalle, wo er mit seinem Programm „Nachlachende Frohstoffe - neues vom Oral-Apostel“ gastiert.

Herr Astor, im Pressetext werden Sie als letztes Wortklabauterbeuteltier bezeichnet, das vom WWF beschützt wird. Sind Sie eine aussterbende Spezies unter den deutschen Comedians, von denen viele ja nicht gerade durch feinsinnigen Sprachwitz glänzen?

Willy Astor: Ich bin sicher jemand, der aus der alten Schule kommt und verstehe meinen Beruf als Handwerk mit dem Mundwerk. Peter Frankenfeld, Rudi Carrell und Peter Alexander waren meine Vorbilder - Leute, die wirklich was konnten. Was ich mache, ist unverwechselbar und gibt es sonst nicht auf dem Markt.

Darf man Sie eigentlich als Comedian bezeichnen?

Astor: Ich benutze den Begriff sehr ungern und nenne mich lieber einen Humoristen. Aber eigentlich ist die Unterscheidung zwischen Comedy und Kabarett egal. Ich mache Unterhaltung und bringe die Leute zum Lachen. Dafür habe ich keinen Ghostwriter. Bei Astor kommt der Humor direkt vom Erzeuger.

Wie politisch sind Sie?

Astor: Auf der Bühne bin ich ein sehr unpolitischer Mann. Ich zerschneide Wörter und baue sie wieder zusammen. Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter, in dem man schärfer schießen kann. So geht es auch mal um den unerträglichen Umgang der Deutschen mit der Waffenlobby. Aber ich halte der Gesellschaft nicht den großen Spiegel vor. Mein Steckenpferd bleibt die sinnfreie Komik.

Dazu passt Ihr Motto: „Albernheit verhindert den Ernst der Lage.“ Wie wichtig ist es, dass die Menschen gerade in diesen ernsten Zeiten lachen?

Astor: Das ist jetzt wichtiger denn je. In allen möglichen Ländern gibt es eine Verrohung der Gesellschaft. Das wissen die Leute, die zu mir kommen. Mein Publikum besteht ja eher aus feinstofflicheren Menschen, die mit einem gewissen Respekt durchs Leben gehen. Bei mir wird man selten Leute finden, die Fans von Mario Barth oder Michael Mittermeier sind.

Bereits mit 14 Jahren haben Sie eine Werkzeugmacherlehre bei BMW gemacht. Was haben Sie damals gelernt, von dem Sie heute noch profitieren?

Astor: Eigentlich alles. Ich habe einen feinmechanischen Handwerksberuf erlernt, wo man viel mit den Händen ausprobieren musste. Schon die Begriffe machen deutlich, dass man mit der Sprache ähnlich umgeht. Es geht um den letzten Schliff der Texte, und man drechselt sich die Worte zurecht. Hätte ich einen derben Metallberuf erlernt, würde ich heute keine feine Art der Unterhaltung machen - da bin ich mir sicher.

Wenn man Sie auf der Bühne sieht, schaut das alles leicht aus und nicht nach harter Arbeit.

Astor: Manchmal treffe ich Kollegen, die früher mit mir am Schraubstock standen, oder meine alten Meister. Die denken auch immer, dass ich um elf aufstehe, ins Caféhaus gehe und als Bohemian durchs Leben gleite. Dabei braucht ein Freiberufler sehr viel Disziplin. Das ist die schwierigste Aufgabe, etwas Gutes zu schaffen, ohne dass einem jemand in den Arsch tritt. Die Freiheit ist auch ein Ballast. Ich kämpfe oft mit vielen Teufeln in meiner Gedankenwelt und denke: Das ist doch totaler Mist, den ich geschrieben habe.

Diese Zweifel müssen Sie auch früher gehabt haben. Angeblich waren Sie ein schlechter Schüler. Wie haben Sie die Welt der Sprache für sich entdeckt?

Astor: Es stimmt, ich war wirklich schlecht und vor allem der Klassenclown, der sich über alles kaputtlacht. Im neunten Schuljahr hatte ich endlich auch ein paar Dreier und habe gerade so die Kurve gekriegt. Letztlich habe ich von meiner Ausbildung profitiert. Die Meister haben uns Eigenverantwortung beigebracht und dass man auf sich und andere schauen muss. Wenn man den Schraubstock schlecht spannt, gefährdet man sich und andere. Das hat sich wie ein Tattoo in meine Seele gebrannt.

Willy Astor tritt am Samstag, 26. Januar, in der Stadthalle Kassel auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204, www.hna-kartenservice.de

Zur Person:

Geboren: am 6. September 1961 in München als Wilhelm Gottfried Astor. Ausbildung: zum Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker bei BMW in München. Karriere: Astor stand Mitte der 80er zum ersten Mal auf Kleinkunstbühnen, verdiente seinen Lebensunterhalt aber noch als Gitarrendozent an der Münchner Volkshochschule. In den 90ern wurde er bundesweit bekannt mit saukomischen Sprachspielen wie „Das Radkäppchen und der böse Golf“. Privates: Astor ist Vater zweier Kinder und lebt mit seiner Familie in München.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.