Zum 10. Todestag: Bildband zeichnet das Leben des Beatle George Harrison nach

Bis zu seinem siebten Lebensjahr glaubte Dhani Harrison, sein Vater sei Gärtner. „In meinen frühesten Erinnerungen ist Dad irgendwo im Garten, voller Schmutz“, erzählt der Sohn von Georg Harrison in einem wunderschönen Bildband, den Olivia Harrison, Witwe des Ex-Beatle, herausgegeben hat.

Bis Dhanis Klassenkameraden auf dem Heimweg „Yellow Submarine“ johlten. „Das hätte ich dir wohl erzählen sollen“, gab sein Vater zu: dass er einer der berühmtesten Musiker weltweit ist.

George Harrison, der in Henley-on-Thames nahe London den Park um ein neogotisches Herrenhaus, Friar Park, zum gärtnerischen Refugium gestaltet hatte und der heute vor zehn Jahren seiner Krebserkrankung erlag, galt als der stille Beatle, der im Schatten des genialen Duos Paul McCartney/John Lennon stand - obwohl er einige der schönsten Lieder der Fab Four geschrieben hat, „Something“ oder „Here Comes The Sun“. Schneller Weltruhm und Medienrummel gingen dem Gitarristen schneller auf die Nerven als den Kollegen. Er war es, der die Beatles mit seinem Interesse an indischer Musik und seiner spirituellen Sinnsuche ansteckte.

Bildband über George Harrison.

Die bebilderte Biografie - Begleitband eines in Deutschland nur auf DVD erscheinenden Martin-Scorsese-Film-Porträts - will dieses Bild des zurückhaltenden Schweigers korrigieren. Demnach loderte es im stillen George, wie Schriftsteller Paul Theroux im Vorwort deutlich macht: „George war ein leidenschaftlicher Mensch, der sein Ego im Zaum zu halten versuchte. Er vereinte zwei Seelen, zwei gegensätzliche Charaktere in sich.“ Der hinduistische Glaube war für Harrison demnach Erlösung, Befreiung, Inspiration. Er lernte, mit Zweifeln, Prüfungen, Höhen und Tiefen umzugehen, schreibt Regisseur Scorsese: „Wie fragil dieses Gleichgewicht ist, hatte er nicht nur verstanden, es gelang ihm schließlich auch, darüber hinauszuwachsen.“

Das Leben an der Seite Harrisons, dessen Biografie anhand von grandiosen Fotos und Zitaten seiner Familie, Freunde und Wegbegleiter nachgezeichnet wird, war „ein Wimpernschlag und gleichzeitig eine Ewigkeit“, fasst Olivia zusammen: Er war neugierig, energisch, arbeitete hart, ließ sich auf Menschen, Orte, Dinge ein - Fotos zeigen den Formel-1-Fan mit Rennfahrern und mit Freunden wie Bob Dylan und Eric Clapton - aber er konnte loslassen: „Alles war von Bedeutung, aber nichts zählte wirklich.“ „Als er starb“, berichtet sein Sohn Dhani, „war nur noch eine Seite von ihm da, diese sehr spirituelle Person. Und er war vollkommen gelassen, zielgerichtet, es gab keinen Unfrieden und keine Konflikte mehr, kein Auf und Ab. Es gab nur noch ein Ich.“

Olivia Harrison/Mark Holborn: George Harrison - Living in the Material World, Knesebeck, 400 S., 39,95 Euro, Wertung: *****

Von Mark-Christian von Busse

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