Johannes (Jo) Halbig im Interview über die Rückkehr der Killerpilze und ihr Album „Lautonom“

„Wir machen jetzt unser Ding“

Drei Jahre waren sie von der Bildfläche verschwunden, jetzt sind sie Anfang 20, haben eine eigene kleine Plattenfirma gegründet und ihr drittes Album herausgebracht. Die erste Single heißt auch noch „Drei“. Gründe genug für ein Interview mit den Killerpilzen.

Die Killerpilze sind erwachsen geworden. Wollt Ihr jetzt gesiezt werden?

Johannes (Jo) Halbig: Quatsch, auf keinen Fall. Wir hoffen, dass sich alle auch weiterhin trauen, uns zu duzen.

Wie grenzt Ihr Euch inzwischen vom Teenie-Image ab?

Jo Halbig: Wir haben uns viel Zeit gelassen mit dem neuen Album. Es war ein langer Prozess, in dem wir viel reflektiert haben. Jeder von uns ist ein Stück seinen eigenen Weg gegangen: Mäx hat in einem Kinofilm gespielt, ich habe gemodelt und die Schule fertig gemacht. Zwischen 18 und 20 entwickelt man sich musikalisch und menschlich weiter. Das merkt man auch auf „Lautonom“.

Euer Albumtitel setzt sich aus den Worten „laut“ und „autonom“ zusammen. Welche Philosophie steckt dahinter?

Jo Halbig: Wie der Name schon sagt, vor allem Unabhängigkeit. Wir sind wir selbst und niemand redet uns rein. Es steht auch für den Umbruch innerhalb der Band. Früher gab es Vorurteile, aber auch viele Liebesbeweise. Wir sind als „Bravo“-Band abgestempelt worden, machen aber vielfältige Musik mit Einflüssen aus Pop, Punk und Metal, die nicht nur bei Mädchen ankommt.

Ihr steht jetzt auf eigenen Beinen. Wie habt Ihr die Verantwortlichkeiten unter Euch aufgeteilt?

Jo Halbig: Mäx kümmert sich um Finanzen, Fabi um die Tourpläne und Konzerte und ich um den Internetauftritt. Entscheidungen treffen wir gemeinsam als Geschäftsführer.

Spürt Ihr jetzt mehr Druck, zu zeigen, dass Ihr es auch ohne großes Label wie Universal im Rücken draufhabt?

Jo Halbig: Da ist gar kein Druck. Klar haben große Firmen mehr Möglichkeiten, Geld in eine Band zu stecken. Aber vor drei Jahren wurden wir als Teenie-Band vermarktet, die wir eigentlich nicht sein wollten. Wir wissen, dass wir einen weiten Weg vor uns haben und nicht gleich eine Goldene Schallplatte bekommen. Aber wir wollen’s nochmal wissen.

Welche Rolle spielt Punk als Lebenseinstellung für Euch?

Jo Halbig: In jedem Künstler steckt doch ein bisschen Punk, auch im Maler, der mit seinen Bilder schockieren will. Wir wollen unser Ding machen, auch wenn wir manchmal Gegenwind bekommen. Natürlich sind wir auch gegen Nazis, aber das sollte inzwischen hoffentlich für jeden selbstverständlich sein.

Was habt Ihr für eine Einstellung zum Thema Konsum und Kommerz?

Jo Halbig: Natürlich kann man immer was gegen Konsum haben. Aber wir wollen auch unsere Musik verkaufen und dass Leute zu unseren Konzerten kommen. Schließlich sind wir für unser Label in extrem hohe finanzielle Vorleistungen gegangen. Da steckt nicht nur Herzblut drin, sondern auch Geld.

Gibt es für Euch einen Plan B, falls es mit der Musik nicht aufgeht?

Jo Halbig: Wir schauen auch nach Alternativen und setzen nicht alles auf eine Karte. Dennoch sind wir Vollblutmusiker - wir machen seit acht Jahren nichts anderes. Wir kämpfen mehr denn je für unseren Traum.

Ihr werdet ab und zu mit den Ärzten verglichen.

Jo Halbig: Wir sind die größten Ärzte-Fans und empfinden das als Kompliment. Es wäre aber vermessen, uns auf eine Stufe mit den Ärzten zu stellen.

Von Heidi Senska

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.