Interview: Johnny Depp über seinen Film „The Rum Diary"

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Reporter bei einer amerikanischen Zeitung in Puerto Rico: Johnny Depp als Paul Kemp in einer Szene des Films „The Rum Diary“ von Bruce Robinson, der diese Woche in die deutschen Kinos kommt.

Johnny Depp gilt trotz des Erfolgs der „Fluch der Karibik“-Filme in Hollywood als Individualist. Er ist sich nicht zu schade, auch in kleineren, persönlicheren Projekten mitzuwirken. So wie jetzt in „The Rum Diary“.

In dem Filmschlüpft er nach „Fear and Loathing in Las Vegas“ erneut in die Rolle seines verstorbenen Freundes Hunter S. Thompson (1937-2005). Von dem exzentrischen Autor und Journalisten stammt das biografisch inspirierte Trinker-Tagebuch.

Sie spielen in „The Rum Diary“ erneut Hunter S. Thompson. Was reizt Sie an dieser Persönlichkeit?

Johnny Depp: Er war einer meiner besten Freunde. Er war und ist immer noch bei mir und wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich kannte ihn sehr gut. Es war ein großes Geschenk, ihn wieder zu spielen. Es ist, als ob ich einen alten Freund noch mal besuche.

Ist es wahr, dass Sie einem Ritual nachgingen, um Thompson zu ehren?

Depp: Ja. Hunter war jeden Tag auf dem Set anwesend. Aus diesem Grund haben wir für ihn einen Stuhl mit dem Drehbuch und Dunhill-Zigaretten aufgestellt. Daneben stellten wir eine Flasche Chivas Regal. Jeden Morgen, bevor wir begannen, steckte jeder im Team einen Finger in die Flasche, um an das „Parfüm“ von Hunter zu gelangen. Wir wurden alle süchtig danach. Das war für Hunter.

Was hätte er zum Film gesagt?

Depp: Er würde zunächst eine sarkastische Bemerkung machen, dann etwas Poetisches sagen. Anschließend würde er alle Blumen aus dem Kübel herausreißen und sie den Ladies schenken.

Was war Hunter S. Thompson für ein Mensch?

Depp: Er war ein sehr intelligenter, sensibler Mensch. Niemand konnte ihn kleinkriegen. So wie wir. Denn wenn man im Leben herumgeschleudert wird, entsteht etwas mit einem, das sich von dem wahren Ich unterscheidet. Das ist mir sicher auch schon passiert.

Spielen Sie auf die Gerüchte über Sie an?

Depp: Genau. Glaubt man den Gerüchten, hatte ich schon Sex mit dem Papst. Außerdem bin ich der Nachfolger von Michael Jackson. Menschen erfinden Sachen, die nichts mit mir zu tun haben.

Sie fühlen sich manchmal missverstanden.

Depp: Natürlich. So fühlt sich doch jeder irgendwann im Leben, oder? Es gibt sicher eine feste Meinung über mich da draußen. Aber kennen mich die Menschen wirklich? Meine Familie kennt mich und ich denke, Hunter S. Thompson kennt mich auch.

Sie spucken im Film Feuer. Waren das wirklich Sie?

Depp: Ja, und ich sage Ihnen etwas: Das habe ich nicht zum ersten Mal gemacht. Einmal stand mein Kopf in Flammen. Es fühlt sich seltsam an, wenn der eigene Kopf brennt. Man gerät in Panik und fängt an, wild herumzurennen. Das ist das Schlimmste, das man tun kann. Irgendwann kam mir ein Freund zur Hilfe und löschte mich.

Welche Eigenschaften haben Sie mit Thompson gemein?

Depp: Individualität, Originalität, Schönheit, poetischer Zorn - ich liebe alle das an ihm. Er hatte die Fähigkeit, Menschen zu beschreiben und die Gabe, selbst in der Scheiße etwas Gutes zu entdecken. Ich hoffe, dass ich diese Eigenschaften mit ihm teile.

Mögen Sie es, in Filmen in die Vergangenheit einzutauchen?

Depp: Ja. Wir sind alle seit geraumer Zeit ein bisschen wahnsinnig und das wird eine Weile so weitergehen. In eine vergangene Zeit einzutauchen, betrachte ich als Geschenk.

Wie wird sich die Welt einmal an Sie erinnern?

Depp: Ich hoffe, ich finde eines Tages meinen Charakter - wie Hunter. Ich weiß nicht, ob mir das als Schauspieler je gelingen wird. Es gibt zu viele Stimmen und Charaktere in meinem Kopf. Vielleicht bin ich schizophren. (Ricore)

Von Julia Manfredi

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