Interview mit beliebter Schauspielerin

„Wir sind immer noch Rudeltiere“: Keira Knightley spielt Anna Karenina

Elegant: Keira Knightley als Anna Karenina. Foto:  Universal/nh

Selbstironisch hat sich Keira Knightley darüber lustig gemacht, dass sie immer wieder für Historienfilme engagiert wird. Satt hat sie das Genre aber noch lange nicht.

Sie liebt Geschichte, liest gern historische Romane und sieht sich auch gern Kostümfilme an. Nun spielt sie die Titelrolle in „Anna Karenina“ - eine Frau, die wegen ihres Liebhabers verstoßen wird. Regie führte Joe Wright, mit dem sie bereits in „Abbitte“ zusammengearbeitet hat.

Wie oft haben Sie Leo Tolstois Roman gelesen?

Keira Knightley: Zweimal. Zum ersten Mal las ich ihn als Jugendliche. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich ihn sehr schön, mitreißend und romantisch fand. Vor Beginn der Dreharbeiten las ich ihn noch einmal und dachte: Scheiße, das Buch ist ganz anders. Es war sehr düster.

Hatten Sie Mitleid mit Anna Karenina?

Knightley: Ja, aber was mich und Regisseur Joe Wright in erster Linie interessierte, war die Frage, ob Anna eine Heldin oder Antiheldin ist. Außerdem fragten wir nach der Funktion, die sie in Roman und Film hat. Diese Figur wurde immer als Unschuldige und als Opfer gesehen. Als eine solche habe auch ich sie bei der ersten Lektüre gesehen, nicht aber nachdem ich das Buch beim zweiten Mal las. Es ist, als wollte Tolstoi einerseits ausdrücken, dass sie eine korrupte, kriminelle Frau ist. Dann gibt es wiederum Momente, in denen er Verständnis für sie zeigt, ja geradezu verliebt in sie ist. Diese zwiespältige Haltung spürt man den gesamten Roman über, und das ist der Grund, wieso dieser Charakter so faszinierend ist und man sich sehr gut mit ihm identifizieren kann.

Anna Karenina wird von der Gesellschaft verstoßen, weil sie ihren Mann betrügt. Haben sich die Zeiten und Menschen geändert?

Knightley: Ich glaube nicht. Die Regeln mögen heute anders sein, aber wir sind immer noch Rudeltiere. Wir wenden uns gegen den Einzelnen, wir verurteilen ihn, um uns besser und überlegener zu fühlen. Vor allem richtet sich dieses Verhalten noch immer stark gegen Frauen.

Ein Großteil der Handlung ist als Theateraufführung inszeniert. Was halten Sie von dieser Idee?

Knightley: Die russischen Aristokraten des 18. und 19. Jahrhunderts sprachen französisch und italienisch, aber kaum russisch. Sie litten unter einer Persönlichkeitskrise und hatten sich von ihrem Land und ihrer Kultur entfremdet. Als sich Joe des Stoffs annahm, fragte er sich, wo die Handlung angesiedelt werden sollte, bei der die Menschen eine Rolle spielen. So ist er auf die Idee einer Theateraufführung gekommen. (Ricore)

Von Julia Manfredi

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