Florian Claus über verstaubte Volksmusik und Wiesn-Hits

Interview mit der A-cappella-Gruppe Voxxclub: „Wir wollen Grenzen sprengen"

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Sie sind die Aufsteiger des Jahres und krempeln gerade die Volksmusik um. Das sagt zumindest Andy Borg über die sechs Sänger der A-capella-Gruppe Voxxclub.

Borg muss es wissen, er ist Moderator des ARD-„Musikantenstadls“, den die Formation aus München zuletzt, nun ja, fulminant gerockt hat. Am 15. November gastiert der Voxxclub in der Baunataler Stadthalle. Wir sprachen mit Sänger Florian Claus (31).

Herr Claus, mal ganz ehrlich: Haben Sie sich den ARD-„Musikantenstadl“, diese Horrorshow der guten Laune, früher auch schon angeschaut? 

Florian Claus: (lacht) Eher selten. Ich mag lieber Rockmusik. Aber ich bin echt positiv überrascht von der Volksmusikszene. Die Leute sind total nett und machen das Ganze mit einem Augenzwinkern. Man hat Spaß, dass die Leute Spaß haben. Auch im Stadl gab es einige Sachen, die nicht so mein Ding waren. Andere Sachen fand ich dagegen total cool. In jedem Bereich gibt es gute und schlechte Musik.

Voxxclub bedienen sich in vielen dieser Bereiche. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Volksmusik mit Rock, HipHop und Reggae zu verbinden? 

Claus: Wir kennen uns vom Studium und haben im Musical-Bereich und in vielen anderen Musikprojekten gearbeitet. Irgendwann fragten wir uns: Wieso soll man unsere musikalischen Vorlieben nicht mal miteinander mischen? Wir wollen Grenzen sprengen und dazu beitragen, dass die Volksmusik nicht mehr so verstaubt ist.

Geil wird Ihre Musik auch auf dem Münchner Oktoberfest gefunden. Schon 2013 war Ihr Song „Rock mi“, der auf dem Queen-Klassiker „We Will Rock You“ basiert, der Wiesn-Hit. 

Voxxclub

Mitglieder: Korbinian Arendt, Florian Claus, Julian David, Michael Hartinger, Stefan Raaflaub und Christian Schild

Gegründet: 2012 Stil: Volkspop

Unser Gesprächspartner: Der gebürtige Mainzer Florian Claus hat eine Ausbildung zum Musical-Sänger in München gemacht. Der 31-Jährige zieht gerade nach Hamburg und verrät: „Die Hälfte unserer Band ist vergeben. Die Frauen sollen ruhig anfragen.“

Aktuelles Album: Ziwui (Universal)

Claus: Dieses Jahr konnten wir leider nicht auf die Wiesn. Aber wir bekamen ständig Videos von Freunden geschickt, auf denen Leute im Zelt so lang den „Rock mi“-Rhythmus geklatscht haben, bis die Band unseren Song spielte. Das ist sehr geil.

Sie haben sich nach dem lateinischen Wort für Stimme benannt. Müssen Sie sich nun umbenennen? Auf dem neuen Album machen Sie mit Instrumenten ordentlich Wumms. 

Claus: Auf unserem ersten Album haben wir Volkslieder in unserem Stil als Cover-Songs interpretiert. Nun wollten wir eigene Lieder haben. Hätten wir das nur a cappella gemacht, hätte uns das ziemlich limitiert. Darum haben wir die Band dazugenommen. Man kann ja auch einen geilen Beat haben, auf den man rappt und dann einen Jodler drüberlegt.

Wird es bald nur noch Volkspop-Stars wie Sie und Andreas Gabalier geben und keine Wildecker Herzbuben mehr?

Claus: Der Markt reguliert sich selbst. Es gibt ja viele Menschen, die die Musik der Wildecker Herzbuben noch mögen. Wenn da eine jüngere Fan-Generation nachkommt, wird auch diese Musik weiterbestehen. Langfristig werden aber die Grenzen verwischen. Die Musik wird sich immer weniger klassifizieren lassen in Rock, Volksmusik oder Schlager. Helene Fischer zum Beispiel gilt als Schlager. Dabei weiß ich nicht, ob man „Atemlos“ mit diesen Beats noch als Schlager bezeichnen kann. Die Leute sollen die Musik hören, auf die sie Bock haben, und dafür nicht verurteilt werden.

Ihr Hit heißt „Ziwui“. Das Wort stammt aus einem Tiroler Volkslied über Vogelfänger. Haben Sie auch einen Vogel?

Claus: Einen kleinen Vogel hat jeder von uns. Wir haben früh festgestellt: Man muss nicht verrückt sein, um in dieser Branche Erfolg zu haben, aber es hilft ungemein.

Von Matthias Lohr

Voxxclub treten am 15. November in der Baunataler Stadthalle auf. Tickets gibt es beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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