Er will nur Spaß: TV-Moderator Reinhold Beckmann über seine Tour als Musiker

Er ist einer der wenigen Talkmaster, die immer den Ton treffen. Nun geht der TV-Moderator Reinhold Beckmann als Sänger und Gitarrist mit Band auf Tour. Wir sprachen mit dem 54-Jährigen vor dem Auftritt im Vellmarer Piazza am 27. Januar.

Herr Beckmann, haben Sie noch den Sampler „Ich steh auf Rock“ zuhause im CD-Regal, für den Sie als „ran“-Moderator Hits von Pur, Genesis und Peter Maffay zusammengestellt haben und für den es viel Häme gab?

Reinhold Beckmann: Sie erinnern sich daran noch? Donnerwetter, das muss zwei Jahrzehnte her sein. Das Album hat nicht lang in meinem CD-Regal überlebt. Es war eine PR-Aktion von Sat 1. Der Sender wollte „ran“ auf allen Ebenen vermarkten. Ich habe mich dummerweise darauf eingelassen.

Nun touren Sie mit einer Profi- Band durch Clubs, spielen schräge Rumba-Klänge und Jazz-Balladen, und was man so hört, sind alle begeistert.

Beckmann: Bisher haben wir in der Reihe „Musik in den Häusern“ in Köln, Mülheim, Hamburg und Berlin gespielt. Ein schönes Projekt, für das Leute ihre Wohnungen oder Lofts zur Verfügung stellen und Freunde einladen. In dieser ungezwungenen Atmosphäre spürt man genau, wie die Zuhörer auf die Texte reagieren und die kleinen Alltagsbeobachtungen zwischen den Liedern. Manchmal haben sie sogar mitgesungen.

Ina Müller war ganz aus dem Häuschen, als Sie in ihrer Talkshow auf der Gitarre einen Bossa nova gespielt und auf Portugiesisch gesungen haben.

Beckmann: Es war, glaube ich, die allererste Sendung von „Inas Nacht“. Anschließend kam Inas Schlagzeuger Helge Zumdieck zu mir und sagte: „Lass uns was zusammen machen.“ Er hat mir den entscheidenden Arschtritt gegeben. Eigentlich ist Helge schuld, dass ich irgendwann angefangen habe, Texte zu schreiben und Musik zu machen. Und ich merkte, es macht Spaß. Sie spielen ausschließlich eigene Lieder.

Wieso haben Sie kein Album aufgenommen?

Beckmann: Bisher ging es uns immer darum, vor Publikum zu spielen und die Atmosphäre zu erleben. Dass der Fernsehfritze auch noch eine CD rausbringt, ist zwar eine schöne Schlagzeile, aber nicht unsere erste Idee. Wir wollen einfach nur Spaß haben. Das heißt aber nicht, dass irgendwann nicht doch noch ein Album folgt.

Wie wichtig ist die Reaktion des Publikums, wenn Sie auf der Bühne stehen? Als TV-Moderator können Sie am nächsten Tag ja nur auf die Quote schauen.

Beckmann: Die Begegnung mit dem Publikum, das ist der große Unterschied zum Fernsehen. Als Moderator hast du nur eine imaginäre Vorstellung von den Reaktionen der Zuschauer im Wohnzimmer. Aber als Musiker bekommst du auf der Bühne jeden Lacher mit. Das ist toll und schlägt alles.

Nach elf Jahren am Montag müssen Sie mit Ihrem Talk bald auf den Donnerstag ausweichen, wo Sie gegen „Maybrit Illner“ antreten. Das müsste Sie ärgern.

Beckmann: Bislang haben wir die Woche eröffnet, jetzt schließen wir sie ab. Das ist ein neuer journalistischer Anreiz. Mit „Maybrit Illner“ gibt es nur eine halbstündige Überschneidung.

Denken Sie manchmal, über was und mit wem Sie eigentlich reden wollen, wenn in der ARD fünfmal pro Woche getalkt wird?

Beckmann: Nein, ich denke, jede Gesprächssendung hat ihren besonderen Charakter. Unser Konzept setzt auf ungewöhnliche Begegnungen und eine längere Gesprächsform. So kann man etwa ein schwieriges Thema wie zuletzt die Präimplantationsdiagnostik viel transparenter machen als in einer Debattenform. Politik ist bei uns mehr als Tagesgeschäft.

Zur Person

Geboren: am 23. Februar 1956 in Twistringen bei Bremen Beruf: TV-Moderator Ausbildung: Lehre zum Radio-, Fernseh- und Videotechniker, Studium der Germanistik und Fernsehwissenschaften in Köln Erfolge: Erfinder des Fußballs als Show (mit „ran“ auf Sat 1), moderiert seit elf Jahren den ARD-Talk „Beckmann“ Privates: Vater zweier Kinder, lebt mit seiner Frau in Hamburg

Piazza-Termine

Reinhold Beckmanns Auftritt ist einer der Höhepunkte in der neuen Saison im Vellmarer Piazza. Zum Auftakt geben am morgigen Freitag Viva Voce ein A-cappella-Konzert in der Kulturhalle Niedervellmar. Später folgen bekannte Gesichter wie der Comedian Rüdiger Hoffmann und aufstrebende Namen wie der völlig schräge Kay Ray. Der Überblick:

  • 21.1. Viva Voce (Kulturhalle Niedervellmar, A-cappella-Konzert)
  • 22.1. Dirk Bielefeld alias Herr Holm (Kulturhalle, Kabarett)
  • 27.1. Reinhold Beckmann & Band
  • 10.2. Eure Mütter (Kulturhalle, Comedy)
  • 12.2. David Leukert (Kabarett)
  • 18.2. La Le Lu (Kulturhalle, A-cappella-Comedy)
  • 19.2. Rolf Miller (Kulturhalle, Kabarett) 25.2. Rüdiger Hoffmann (Mehrzweckhalle, Comedy)
  • 26.2. Björn Pfeffermann (Kabarett)
  • 11.3. Hennes Bender (Comedy)
  • 18.3. Christoph Sieber (Kabarett)
  • 19.3. Kay Ray (Comedy)
  • 25.3. Thilo Seibel (Kabarett)
  • 26.3. Denis Fischer (Konzert)
  • 1.4. Mannheimer Kulturknall (Kabarett)
  • 7.4. Sebastian Krämer (Musik-Kabarett)
  • 8.4. Oliver Polak (Kabarett) 15.4. Matthias Egersdörfer (Kulturhalle, Kabarett) Wenn nicht anders angegeben im Piazza.
  • Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204, www.piazza.ddticket.de

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