Ausgestopftes Tier wurde zu Lebzeiten tätowiert

Wirbel um tätowiertes Schwein: Ausstellung in Hamburg provoziert

Hatte trotz Tätowierung ein gutes Leben: „Donata“, ein Werk des Belgiers Wim Delvoye. Foto: Gewerbemuseum Winterthur/Borchardt

Sind tätowierte Tiere Kunst? Darüber wird zurzeit in Hamburg gestritten. Grund ist eine Ausstellung.

Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt in seiner Ausstellung „Tattoo“ auch das ausgestopfte Schwein namens „Donata“, das der belgische Künstler Wim Delvoye zu Lebzeiten tätowieren ließ - unter Narkose, wie er beteuert.

„Hier werden Tiere für die Kunst missbraucht“, zitiert die „Hamburger Morgenpost“ den Vorsitzenden des Hamburger Tierschutzvereins, Manfred Graff. Martina Stephany („Vier Pfoten“) beklagt, Tätowieren und Wundheilung verursachten unnötige Schmerzen.

Die 33-Jährige räumt laut „Mopo“ aber auch ein, dass es den von Delvoye umsorgten Schweinen besser ging als den meisten ihrer Artgenossen, „die betäubungslos kastriert werden oder sich im Kastenstand kaum bewegen können. Wer ein Schnitzel isst, akzeptiert damit Grausamkeit, die schlimmer ist als eine Tätowierung.“ Nur: Ein Schnitzel im Museum hätte kaum irritiert, „Donata“ bringt die Betrachter ins Grübeln. So argumentiert Kurator Dennis Conrad.

250 Exponate hat das Museum zusammengetragen, um die Geschichte und Verbreitung von Tattoos, ihre Wertschätzung als angewandte Kunst und die menschliche Haut als vielfältige Leinwand darzustellen - von frühen Werkzeugen in Birma und Borneo bis zum Video, das zeigt, wie sich ein Auschwitz-Überlebender seine verblassende Lagernummer nachstechen lässt. Es gibt ungewöhnliche Tattoos wie chemische Modelle für Glukose und Koffein und eine Dia-Show mit Werken von internationalen Star-Designern.

Der Schweizer Tim Steiner ließ sich ein Werk Delvoyes auf den Rücken tätowieren. Ein Kunstsammler erwarb mit dem Kauf das Recht, Steiner verleihen und die Haut nach seinem Tod konservieren zu dürfen. Steiner wird an zwei Wochenenden im April das Werk im Museum vorstellen. (mit epd)

Bis 6.9., www.mkg-hamburg.de

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