Die Brasilianerin CéU im Kulturzelt

Im Wirbel der Stile

Entspanntes aus Brasilien: Die Sängerin CéU im Kulturzelt. Foto:  Fischer

Kassel. Die Vorfreude auf das erste Konzert der Brasilianerin CéU (wird Sä-U ausgesprochen und heißt Himmel) in unseren Breiten war riesig. Wird es ihr gelingen, ihre sphärenhafte Musik, die das Brasilien-Stereotyp von Samba und den Girls von Ipanema erheblich durcheinandergewirbelt hat, auch live umzusetzen? Die Antwort lautet: Ja - aber mit Einschränkungen.

DJ Marco stimmt auf die nächsten 80 Minuten ein: Mit ein bisschen Musik aus einem Science-Fiction-Film der 70er-Jahre, Dschungel-Flair, Reggae, Surf-Musik und Samba. Bassist Lucas Martin, Bruno Buarque am Schlagzeug und Keyboarder Gullherme Ribeiro (später auch am Akkordeon) steigen mit ein. Dann kommt CéU, an der zunächst alles etwas klischeehaft wirkt: dunkelbraune Locken, gebräunter Teint, Sommerkleidchen, die portugiesischen Texte mit sanfter Stimme eher gehaucht als gesungen.

Doch das ändert sich mit dem dritten Song. Bei „Comadi“, einer Eigenkomposition von ihrem ersten Album, wirbelt sie Samba, Trip-Hop und elektronische Musik durcheinander. Dies gelingt ihr auch in „Cangote“. Wenn ein paar Reggae-Motive hinzukommen, ist sie in ihrem Element, schließt die Augen und tanzt vor den Musikern, die inmitten all dieser Stile nie die Übersicht, beziehungsweise die Präzision, verlieren.

Unnötig ist die einzige Fremdkomposition. Bei „It takes two to Tango“ bezieht sie sich in der Ansage ausdrücklich auf das Original von Ray Charles und Betty Carter (1961), zeigt dann aber, dass Soul-Musik nicht zu ihren Wurzeln gehört. Eher schon das Entspannte, womit sie es jedoch bei „Rainha“, gewidmet der Afrobeat-Legende Fela Kuti, etwas übertreibt.

So bleibt unterm Strich ein von den 600 Zuschauern freundlich beklatschtes Konzert, das sich angefühlt hat wie ein Abend mit Hintergrundmusik in einem südländischen Café, vom Meer weht eine sanfte Brise über die Terrasse. Oder ist das zu kitschig?

Mittwoch im Kulturzelt: Blood, Sweat & Tears“, Beginn: 19.30 Uhr, Karten: 0561-203204.

Von Wilhelm Ditzel

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