Es wird gruselig: Das Randfilmfest startet am Wochenende

Dokumentarisch oder fiktional: Heather Donahue spielt im Horrorklassiker „Blair Witch Project“, der vermeintlich vom Videoprojekt einiger Studenten handelt.

Kassel. Nichts ist verstörender als die Realität - das ist das Motto, unter dem in diesem Jahr das Randfilmfest steht, das am Wochenende am Kulturbahnhof stattfindet.

Es geht im weitesten Sinn um Horrorfilme, Film-Enthusiasten des Vereins Randfilm haben Perlen des Genres ausgegraben, die selten bis nie aufgeführt wurden, Experten für Diskussionen eingeladen und organisieren Musik und ein Café für die Nächte und das Drumherum. Explizit wenden sie sich nicht nur an ein hartgesottenes Fanpublikum, sondern auch an die kulturell interessierte Szene aus der Region. Morgen geht es los.

Die Filme 

Klassiker bis Abseitiges. Es wird sogar ein Film gezeigt, für den es ein Werbeverbot gibt, das heißt, er ist nicht verboten, man darf ihn aber nur unter der Ladentheke verkaufen und seinen Namen in keiner Programmankündigung nennen. Im Zentrum steht eine Hommage an Horrorfilm-Ikone Arno Frisch, der in den frühen Werken des Oscar-Preisträgers Michael Haneke mitspielt. Dessen „Benny’s Video“ steht zur Eröffnung auf dem Programm, es gibt auch ein Wiedersehen mit „Funny Games“. Zum Themenschwerpunkt „Reality Fiction Fear“ haben die Festivalmacher Regiearbeiten ausgesucht, die mit dem Verhältnis von Fiktion und Dokumentation spielen, wie der viel zitierte „Blair Witch Project“, aber auch Ausgrabungen wie „Africa Addio“ aus den 60er-Jahren, der vorgeblich dokumentarisch über das Ende der Kolonialzeit berichtet. Er ist Teil des sechsstündigen Festivalnachmittags am Samstag, ein Programm „für Kenner“, sagt Ralf Stadler. Erklärungen liefert Martin Beine, ein Kenner des Kannibalenkinos.

Die Extras 

Diskussionen, Expertengespräche, Analysen: Die Organisatoren haben viel Wert darauf gelegt, das Filmprogramm durch Extras zu ergänzen. Ein Höhepunkt ist die Aufführung von Matt Cimbers Film „The Witch Who Came From The Sea“ (1976), während der die beiden Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger und Kai Naumann live Kommentare abgeben, auf stilistische Details und Filmzitate hinweisen werden. Daraus wird dann eine Blu-Ray erstellt. Der Film, der in seiner surrealen Doppelbödigkeit David Lynch beeinflusst hat, wurde in Deutschland noch nie gezeigt. Ein YouTube-Star kommt für eine Filmanalyse: Wolfgang M. Schmitt jun.

Die Nächte 

Tanzbar wird es mit Musik von Umberto (Synth-Pop), DJ Moon Wheel und der Punkband Totenwald.

Die Gala 

Jörg Buttgereits Film „Nekromantik 2“, in dem es um die sexuelle Beziehung mit einer Leiche geht, soll in der Abschlussgala zu Ehren kommen - anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums. Das Festivalteam stellt von der Inszenierung einer „traumwandlerischen Seelenlandschaft“ Bezüge zur Kunst des Stummfilmpioniers Friedrich Murnau her, der auch in Kassel tätig war. Das Besondere: Zur Aufführung im Ballsaal des Hotel Reiss wird die aus Kassel stammende Hauptdarstellerin Monika M mit ihrer Band live die Musik einspielen. Der Leiter des Museums für Sepulkralkultur, Gerold Eppler, und Filmemacher Klaus Stern sind bei einer Gesprächsrunde zu Tabus wie Sexualität und Sterben dabei.

Das Randfilmfest findet vom 25. bis 27. November zum dritten Mal in Kassel statt. Es wird organisiert vom Verein Randfilm um Ralf Stadler, Christoph Langguth und Volker Beller.

Ort: Interim, Franz-Ulrich-Straße 18, Kassel (Kulturbahnhof, hinter dem Südflügel), die Abschlussgala findet im Ballsaal des Hotel Reiss statt, neben dem Kulturbahnhof gelegen.

Tickets: Es gibt mehrere Kartenangebote. Tageskarten kosten 20/25 Euro, ein Einzelticket zum Besuch einer einzelnen Aufführung oder Party 8 Euro. Für echte Enthusiasten gibt es verschiedene Festivaltickets in der Preisspanne zwischen 55 und 120 Euro.

www.randfilm.de

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