Madsen-Frontmann Sebastian Madsen über Queen, Berlin und Orientierungslosigkeit

„Es wird immer bedrückender“

Drei Brüder und ihr Bassist: von links Sascha Madsen (Schlagzeug, Gesang), Niko Maurer (Bass), Sebastian (Gesang, Gitarre) und Johannes Madsen (Gitarre). Foto: Universal

Sänger und Gitarrist Sebastian Madsen ist Anfang März bei einem Videodreh schwer verunglückt, kann aber inzwischen wieder Konzerte spielen - so wie heute bei der MTV Campus Invasion in Göttingen. Seine Band Madsen hat mit „Labyrinth“ eine Stadionrockplatte gemacht - erstmals mit einer Frau in der Besetzung: Keyboarderin Lisa Nicklisch alias Lisa Who.

Trotz Ihrer schweren Verletzungen - würden Sie sagen: Alles in allem noch einmal Glück gehabt?

Sebastian Madsen: Meine rechte Hand hatte einen komplizierten Trümmerbruch.Wäre ich auf den Kopf oder unglücklich auf die Wirbelsäule gefallen, wäre ich vielleicht gar nicht mehr da. Immerhin wurde unser Album fertig und sogar planmäßig veröffentlicht.

„Labyrinth“ klingt streckenweise wie ganz großes Kino. Was ist mit den Alternativ-Rockern Madsen passiert?

Madsen: Wir wollten ganz bewusst mit Größe arbeiten, auch in den Texten. Normalerweise schreibe ich einfach drauflos. Die Reverenz beim Titelsong ist völlig klar: Ich bin ein großer Fan von Queen. „Bohemian Rhapsody“ ist für mich eines der besten Stücke aller Zeiten, weil es auch diese klassischen Elemente zulässt. Queen haben Türen geöffnet. Zu diesem Einfluss stehen wir.

„Labyrinth“ beschreibt Orientierungslosigkeit. Hat man die in Ihrem Alter noch?

Madsen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit Anfang 30 noch im Labyrinth stehe. Auch im Freundeskreis beobachte ich Orientierungslosigkeit. Es wird alles immer bedrückender. In solchen Momenten muss man sich an dem festhalten, was einem wirklich wichtig ist: In meinem Fall Menschen, die ich liebe und natürlich die Musik. Es gibt diesen gesellschaftlichen Druck, dass man in meinen Alter etwas Handfestes machen sollte. Als Musiker ist man wie ein Lottospieler. Mit jedem Album kann alles passieren.

In „Mein Herz bleibt hier“ besingen Sie voller Wut das Ende einer Beziehung. Ein autobiografischer Song?

Madsen: Ich habe so was lange nicht erlebt. Eigentlich handelt das Stück von Bescheidenheit. Eine Frau entfremdet sich von ihrem Partner, weil sie viel zu materialistisch denkt und sich nicht mehr auf die kleinen Dinge des Lebens konzentriert.

Sie sind im Wendland geboren und leben in der Hauptstadt. Im Song „Berlin“ klingen Zweifel an: Ist es wirklich der richtige Ort für Sie?

Madsen: Ich weiß nicht, ob ich da endgültig zuhause bin. Berlin hat zwei Seiten: die Versuchung und das große Angebot an Kultur. Ständig hat man das Gefühl, diese Stadt flüstert einem etwas ins Ohr. Berlin übt einen Sog aus. Zugezogene wie ich fühlen sich zuweilen aber überfordert von der Größe, den vielen Menschen, dem Dreck, dem Überangebot. Im Wendland kann man spazieren gehen, ohne jemanden zu treffen und über die Welt und sich selbst nachdenken. Was mich nervt, ist, dass es in Berlin selten einen wirklich schönen Sternenhimmel gibt.

MTV Campus Invasion, heute ab 12 Uhr, Jahnstadion, Brauweg 5, Göttingen u. a. mit Unheilig und Amy MacDonald.

Von Olaf Neumann

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