Herzschmerz mit Sängerin Susanne Brantl und ihrem Trio in der Kaufunger Stiftsruine

Das wird schon wieder

Zwischen Ironie und Melancholie: Susanne Brantl. Foto: Malmus

Kaufungen. Ein alter Spruch sagt: Wenn dir das Leben Zitronen reicht, mach dir eine süße Limo draus. Zumindest auf der Bühne kann das hervorragend funktionieren. Beleg: Susanne Brantl mit ihrem köstlich überzeichneten Herzschmerz-Chanson-Programm „Schöner jammern“. Die Münchnerin präsentierte es am Donnerstag im der gut besuchten Stiftsruine in Kaufungen. An ihrer Seite immer voller Anteilnahme: Pianist Anton Waas, Geiger Ludwig Hahn, Bassist Alex Haas.

Als Leitmotiv hat sich die herrlich überdrehte Jammerfee Brantl den Seufzer „Gloomy Sunday“ (Das Lied vom traurigen Sonntag) auf die Leidensfahne geschrieben. Und da geteiltes Leid halbes Leid ist, wurde das Publikum aufgefordert, stets ein herzliches „Wird schon wieder“ oder ein lang gezogenes „Oooh“ Richtung Bühne zu schicken, sobald die Sängerin ihr glamourös inszeniertes Selbstmitleid mit einer theatralischen Pose unterstreichen würde. Das Publikum spielte gern den Tröster.

Die musikalische Qualität war erstklassig. Triefend schöne Geigenläufe, romantische Klavierbegleitung und ein wärmender Bass gaben Brantls klangschöner Chanson- und Operetten-Stimme den passenden Teppich. Doch es wurde nicht nur gealbert. Brantls Programm von Tom Waits bis Georg Kreisler ist ein gelungener Spagat zwischen augenzwinkernder Ironie und tiefer Melancholie. So beim Wecker-Stück „Manchmal weine ich sehr“, aus Sicht eines in der Psychiatrie verlassenen Menschen geschrieben, oder bei Kästners „Sachliche Romanze“. Auch bei Tucholskys „Nein zärtlich bist du nicht“ verschmolzen koketter Augenaufschlag und Tragik. Fazit: Geteiltes Leid kann viel Freude bringen. Lautstarker Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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